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03.03.2016 - HIV-Test kommt bei vielen Frauen viel zu spät
Viele Frauen erfahren erst, dass sie HIV-positiv sind, wenn lebensbedrohliche Erkrankungen auftreten. Oft schöpfen Ärzte und die Frauen selbst über lange Zeit sogar dann keinen Verdacht, wenn bereits hartnäckig wiederkehrende, schwere Infektionen oder sehr rasch wachsende Krebserkrankungen aufgetreten sind. Da HIV oft mit Drogenkonsum und mit häufig wechselndem, ungeschütztem Sex assoziiert wird, denken Ärzte und Patientinnen nicht an HIV, oder es bestehen Hemmungen, das Thema anzusprechen. Auch die Vorstellung, dass eine HIV-Infektion nur bei jüngeren Frauen in Betracht kommt,  ist falsch: Das durchschnittliche Alter bei der Diagnose sind 34 Jahre, und im Jahr 2014 war die älteste Frau, bei der eine Infektion neu diagnostiziert wurde, 76 Jahre alt.

Dass HIV-Infektionen bei Frauen oft über einen langen Zeitraum übersehen werden, belegen die Statistiken des Robert-Koch-Instituts: Eine HIV-Infektion wurde im Jahr 2013 in Deutschland bei 2838 Männern und bei 463 Frauen neu festgestellt. Im Spätstadium der Erkrankung waren zu diesem Zeitpunkt 30% der infizierten Männer, aber 54% der infizierten Frauen. Hinzu kommt: Je älter die Patientin und je kleiner der Wohnort, umso häufiger wird die Krankheit erst spät diagnostiziert.
„Oft sind bei so späten Diagnosen bereits irreparable Gesundheitsschäden entstanden“, betonte Steffen Taubert, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Deutschen AIDS-Hilfe, auf der Pressekonferenz des FOKO am 3. März 2016 in Düsseldorf.
Die HIV-Infektion kann heute in den allermeisten Fällen gut beherrscht werden, wenn sie frühzeitig entdeckt wird. „Frauen, die irgendwann im Leben einmal ein HIV-Risiko hatten, sollten keine Scheu haben, einen HIV-Test durchführen zu lassen“, rät Taubert.

Für diesen Test kann man entweder zum örtlichen Gesundheitsamt gehen, wo der Test kostenlos oder gegen geringe Gebühr und anonym durchgeführt wird. Oder man bittet in der Frauenarztpraxis des Vertrauens um eine Untersuchung. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten im Rahmen der Schwangerenvorsorge oder wenn Symptome einen Test nahelegen oder wenn ein bedeutsames Übertragungsrisiko vorliegt. Ein erhöhtes Risiko besteht zum Beispiel auch bei Entzündungen oder anderen Schleimhautschäden im Intimbereich oder – bei oralen Praktiken – im Mund-Rachen-Raum. Auch in diesen Fällen übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Testung.

Über Sex lassen sich auch andere sexuell übertragbare Infektionen (sexually  transmitted diseases = STD) übertragen, die wegen der Schleimhautschäden das Risiko für eine HIV-Übertragung erhöhen. Frauen mit häufig wechselnden Partnern sollten sich deswegen regelmäßig auch auf Syphilis, Chlamydien und andere STD testen lassen. „Kondome schützen zuverlässig vor HIV und reduzieren zwar das Risiko sich mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen anzustecken,“ erklärt Taubert. „Die meisten Geschlechtskrankheiten sind aber viel leichter übertragbar als HIV; das Kondom kann sie nicht immer verhindern.“

HIV-Infektion und Schwangerschaft

Durch eine frühzeitige Behandlung der Infektion ist es heute auch für HIV-positive Frauen möglich, schwanger zu werden und ein Kind mit einer natürlichen Geburt zu bekommen. Die beste Chance haben Mutter und Kind, wenn die Infektion spätestens bei Beginn der Schwangerschaft entdeckt wird.

Deshalb sollten Frauen auch das Angebot zum HIV-Test im Rahmen der Schwangerenvorsorge wahrnehmen, empfiehlt Taubert. In dem Vorsorgepass wird auf Wunsch der Frau lediglich eingetragen, dass eine Beratung stattgefunden hat, nicht aber, dass ein Test durchgeführt wurde und welches Ergebnis der Test hatte. So können Dritte, die den Mutterpass in die Hände bekommen – zum Beispiel Flugpersonal im Zusammenhang mit einer Flugreise – nicht erkennen, ob der Test positiv war.

Im Lauf der Schwangerschaft kann mit geeigneten Medikamenten, die das Baby nicht schädigen, die Belastung des Körpers mit Viren so weit gesenkt werden, dass eine Übertragung der Erreger auf das Kind während der Geburt faktisch ausgeschlossen ist. Zur Sicherheit bekommt das Baby nach der Geburt für eine kurze Zeit ebenfalls Medikamente gegen die Viren als Prophylaxe.  Eine Übertragung von HIV auf das Kind kann mit diesen Maßnahmen fast immer verhindert werden.

„Auch hier gilt: Der Schlüssel ist die rechtzeitige Diagnose!“, betont Taubert. . „Wird die Infektion rechtzeitig entdeckt, ist, können Frauen heute auf Grund der gut wirksamen Medikamente ein weitgehend normales Leben führen.“
 
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© FOKO 2016

Ansprechpartner für die Medien:
Steffen Taubert
Deutsche AIDS-Hilfe e.V.
Wilhelmstr. 138
10963 Berlin