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21.06.2007 - Verantwortungsvolle Lebensstiländerung bei Kinderwunsch

Zahlreiche Studien beweisen, dass der Eintritt einer gewünschten Schwangerschaft vom Gesundheitszustand und dem Ernährungsverhalten abhängig ist und durch manche Änderungen des gewohnten Lebensstils beider Partner bereits vor Beginn der Schwangerschaft positiv beeinflusst wird. Das heißt: Wenn Paare Eltern werden möchten, müssen sie zuerst etwas für sich tun, um die Chance für eine möglichst komplikationslose Schwangerschaft und die Geburt eines gesunden Kindes zu optimieren.

Das A und O – angepasste Ernährung
Eigentlich ist es ganz einfach, sich gesund zu ernähren, wenn täglich Obst, Gemüse, Vollkorn- und Milchprodukte auf dem Speiseplan stehen und folgender Ernährungsfahrplan eingehalten wird:
45% der Energielieferanten sollten aus Kohlenhydraten wie Brot, Getreideprodukten und Nudeln (möglichst Vollkorn), Kartoffeln, Müsli, Gemüse, Salat und Obst bestehen. Süßigkeiten, Kuchen und Knabbereien sollten nicht täglich verzehrt werden.
35% der täglichen Kost sind der Fettanteil, möglichst aus mehrfach und einfach ungesättigten Fettsäuren von Pflanzenölen, Nüssen und Seefisch. Bei tierischen Fetten (gesättigte Fettsäuren) aus Wurstwaren und Käse ist Zurückhaltung geboten. Da versteckte Fette häufig den größten Anteil des Nahrungsfetts ausmachen, sollten vom sichtbaren Fett nicht mehr als 2 EL Streichfett und 2 EL Kochfett täglich verbraucht werden.
20% Eiweiß werden in Form von Milchprodukten wie Joghurt und Quark, fettarmem Fleisch (z.B. Geflügel) und Hülsenfrüchten angeboten.
Der Genuss von 2 Litern Flüssigkeit täglich vervollständigt das gesunde Ernährungsprogramm. Empfehlenswert sind Wasser (unser Lebensmittel Nr. 1), Saftschorlen, Früchte-, Kräuter- und Grüner Tee. Bis zu vier Tassen Kaffee am Tag beeinflussen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die weibliche Fruchtbarkeit nicht.

Mikronährstoffe vor der Schwangerschaft
Neben Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten ist eine optimale Versorgung mit lebenswichtigen Mikronährstoffen bedeutsam. Untersuchungen ergaben, dass gut die Hälfte der Frauen mit Kinderwunsch nur 50% der empfohlenen Menge an Folsäure, Jod und Eisen zu sich nimmt. Ebenso ist das Kalzium-Angebot häufig zu gering. Frauen, die bisher verhütet haben, sollten auf diese „kritischen Vier„ achten. Das gilt insbesondere nach dem Absetzen der Pille, da diese eine Aufnahme von Jod und Folsäure mindern kann.
Folsäure erhöht die Fruchtbarkeit bei Frau und Mann und kann Fehlbildungen des Ungeborenen vorbeugen (Neuralrohrdefekte, Herzschädigungen). Bei Kinderwunsch werden 800 Mikrogramm Folsäure vor und in den ersten Monaten während der Schwangerschaft empfohlen.
Jod mindert das Risiko, geistiger Entwicklungsstörungen des Kindes und verhindert das Entstehen eines Kropfes bei Mutter und Baby. 100-150 Mikrogramm Jod pro Tag sollten zusätzlich aufgenommen werden.
Eisen verhindert Blutarmut, die sich durch Müdigkeit, Infektanfälligkeit und Appetitlosigkeit zeigt. Eisen mobilisiert die Bildung roter Blutkörperchen (Erythrozyten). Sie sind die Sauerstofftransporteure für Mutter und Kind. Täglich sollten 15 Milligramm Eisen zur Verfügung stehen.
Kalzium verringert nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern kann vorbeugend einer Schwangerschaftshypertonie und Präeklampsie entgegenwirken. Frauen mit Kinderwunsch sollten 1.000 Milligramm Kalzium  pro Tag zu sich nehmen. Eine gute Vitamin-D-Versorgung steigert die Kalziumaufnahme.
Die Vitamine C und E, B6 und B12 sowie Beta-Carotin, Selen, Zink und Folsäure verbessern nach neuen Studien die Spermienqualität und -beweglichkeit.

Gewichtsprobleme bei Kinderwunsch
Normalgewichtige Frauen haben die besten Chancen schwanger zu werden. Bei einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30 ist gegenüber Frauen mit einem BMI zwischen 20 und 25 die Chance, schwanger zu werden um fast die Hälfte verringert. Bei Übergewicht ist daher eine Gewichtsreduktion sinnvoll. Selbst wenn das Normalgewicht nicht erreicht wird, erhöhen 10% Gewichtsabnahme  bereits die Chance schwanger zu werden. Auch der Partner sollte die negativen Auswirkungen von Übergewicht möglichst meiden. Diese wirken sich z.B. auf die Fertilität durch die Abnahme des Testosteron-Spiegels aus. Ein BMI unterhalb von 17-18 ist bei Kinderwunsch ebenfalls ein Hindernis. Der Körper besitzt bei niedrigem Körpergewicht kaum mehr genügend Energie um eine mögliche Schwangerschaft durchzustehen. Vielfach bleiben Menstruation und Eisprung aus und der niedrige Fettanteil beeinflusst die Bildung des Hormons Leptin negativ. Hierdurch wird die Produktion der Fortpflanzungshormone gebremst.

Hände weg vom Nikotin
Rauchen reduziert die Fruchtbarkeit bei Frau und Mann! Nikotin schädigt die empfängnisbereite Eizelle, sodass rauchende Frauen mit Kinderwunsch länger auf die Schwangerschaft warten müssen als Nichtraucherinnen. Giftstoffe aus dem Zigarettenrauch können sich in der Gebärmutterschleimhaut anreichern und verhindern die Einnistung des befruchteten Eis. Babys, die im Mutterleib mitrauchen, kommen mit einem verminderten Geburtsgewicht zur Welt und sind später mit Gesundheitsstörungen belastet z.B. ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom).

Wie steht es mit Alkohol?
Bisher konnte der Einfluss von Alkohol auf die Fruchtbarkeit von Frau und Mann noch nicht endgültig geklärt werden. Kinderwunsch-Paare sind auf der sicheren Seite, wenn sie den Alkoholkonsum stark einschränken oder ganz verzichten. Nach Eintritt der Schwangerschaft ist für die werdende Mutter jeder Tropfen Alkohol einer zu viel.

Sport und Kinderwunsch
Vor dem Eintritt der Schwangerschaft gibt es keine Einschränkungen für Sport und Bewegung, wenn diese im Rahmen der individuellen Leistungsfähigkeit und Fitness ausgeübt werden. Sportmuffel mit Kinderwunsch sollten sich nicht plötzlich in Bewegungsprogramme stürzen, um die Fruchtbarkeit anzuregen. Sport muss Spaß machen und sollte Negativ-Stress abbauen, der für beide Partner alles andere als hilfreich dabei ist, Eltern zu werden.

Die Ärzte im Berufsverband der Frauenärzte stehen Paaren mit Kinderwunsch mit Rat und Tat zur Seite. Dies gilt insbesondere, wenn die Schwangerschaft auf sich warten lässt oder eine Kinderwunsch-Behandlung in Erwägung gezogen wird. 

Maria-E. Lange-Ernst