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28.02.2019 - Schwangerschaftsabbrüche über 30 immer häufiger

Pressemitteilung des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)
vereint im German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG)

In der Altersgruppe ab 30 Jahren steigt die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche seit Jahren kontinuierlich an und liegt heute um 20% höher als im Jahr 2010 (1). Darauf weist das German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG) hin, der Zusammenschluss der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und des Berufsverbands der Frauenärzte e.V. (BVF): Brachen im Jahr 2010 noch 36.503 Frauen zwischen 30 und 40 Jahren eine Schwangerschaft ab (33,9% aller Abbrüche), lag die Zahl im Jahr 2018 bei 41.425 Abbrüchen (41,0%). „Für diese Zunahme, die wir verstärkt seit 2015 beobachten, gibt es eigentlich nur eine logische Erklärung“, so erläutert Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte: „Diese Frauen haben offensichtlich über lange Zeit zuverlässig mit hormonellen Methoden verhütet. Aber wegen der nicht endenden Diskussionen über die hormonelle Verhütung meinen sie, sie könnten mit gleicher Sicherheit auf natürlichen Methoden umsteigen, auf Verhütungs-Apps oder neuerdings sogar auf pflanzliche Präparate. Oder sie verhüten gar nicht mehr und meinen, dass es reicht, irgendwann hinterher eine Notfallpille zu schlucken.“ Prof. Dr. Anton Scharl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe  fügt an: „Die möglichen Risiken einer hormonellen Verhütung müssen immer gegen die Risiken einer unzuverlässigen Verhütung und eines Schwangerschaftsabbruchs abgewogen werden. Vielen Frauen sind die Konsequenzen wahrscheinlich nicht richtig klar.“

Schwanger unter 18 – das wird immer seltener

Ganz anders sieht es dagegen aus bei Schwangerschaftsabbrüchen im Teenager-Alter: Nur noch 2746 Schwangerschaftsabbrüche wurden im Jahr 2018 in Deutschland bei Mädchen unter 18 Jahren durchgeführt. Mit einem Anteil von 2,7% an allen Schwangerschaftsabbrüchen ist dieser Anteil so niedrig wie nie zuvor: Vor 20 Jahren war die Zahl der Abbrüche vor dem Ende des 18. Lebensjahres noch doppelt so hoch(1). Auch die Zahl der Mädchen und jungen Frauen, die vor ihrem 18. Geburtstag Mutter werden, ist mit 2842 von insgesamt 784884 Lebendgeborenen (2) auf einem sehr niedrigen Niveau. Nimmt man beide Zahlen zusammen, so ergibt sich, dass in Deutschland pro Jahr etwa 5 pro 1000 Mädchen in der Gruppe der 15-17jährigen schwanger werden.

„In dieser Größenordnung ist das ein weltweit einzigartiges Ergebnis“, so Prof. Scharl. „Wie häufig Schwangerschaften bei Teenagern sind, hängt von vier Faktoren ab: Erstens von den Traditionen in der Familie und von der Schulbildung, zweitens von der Offenheit der Sexualaufklärung und dem Wissen über Verhütungsmethoden bereits vor dem ersten Sex, drittens dem Zeitpunkt, ab wann das Mädchen sexuell aktiv ist und viertens von der Erreichbarkeit und Zuverlässigkeit der Verhütung. Wir Frauenärztinnen und -ärzte fühlen uns für den letztgenannten Faktor verantwortlich, und wir sind froh darüber, dass fast 90% aller jungen Mädchen und Frauen, die sexuell aktiv sind, nicht nur Kondome verwenden als Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten, sondern auch eine hoch zuverlässige hormonelle Verhütung.“

Dr. Albring ergänzt: „Das Alter, in dem Mädchen heute im Durchschnitt ihren ersten Sex haben, steigt seit einigen Jahren wieder an und liegt heute um den 17. Geburtstag herum. Und über 50% aller Mädchen beenden die Schule inzwischen mit dem Abitur oder der Fachhochschulreife(3). Wir sehen also heute eine Generation an jungen Mädchen und Frauen, die ihre eigene Lebensplanung bewusst in die Hand nimmt. Schwangerschaft als unglücklicher Zufall – das ist in dieser Altersgruppe nicht mehr vorgesehen.“

 

(1) Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2019/02/PD19_070_233.html und Berichtsband Fachserie 12 Reihe 3, 2018. 27.02.2019
(2) Statistisches Bundesamt, Lebengeborene im Jahr 2017 nach dem Alter der Mutter (Geburtsjahrmethode) https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Geburten/Tabellen/LebendgeboreneAlter.html , entnommen 27.02.2019
(3) Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung https://www.boeckler.de/52377.htm , entnommen 27.02.2019
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