Berufsverband der Frauenärzte e.V.

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18.05.2010 - Welt-Hypertonie-Tag 2010 - Was Frauen über Bluthochdruck wissen sollten

Am 17. Mai findet der diesjährige Welt-Hypertonie-Tag statt. Die Botschaft der internationalen Aktion lautet: „Zu viel Gewicht erhöht den Blutdruck“. In Deutschland sind mindestens 30 Millionen Menschen von der Volkskrankheit Bluthochdruck betroffen. Selbst wenn das Übergewicht als eine der Hauptursachen gilt, so gibt es für Frauen eine weitere Anzahl von Risiken, die zusammengefasst lauten: Bluthochdruck darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Nur jede zweite Betroffene wird überhaupt behandelt.

Bluthochdruck – der leise Killer
Dass Frauen von Herz-Kreislaufleiden seltener betroffen sind als Männer, gehört längst zu den Ammenmärchen. Als Begründung dafür wird der moderne Lebensstil genannt, sodass heute Bluthochdruck bei 19,0% (das ist jede fünfte Frau) diagnostiziert wird und weltweit mehr Frauen als Männer an den direkten Folgen einer von Bluthochdruck verursachten Erkrankung sterben. Laut Statistik nehmen fünf von sechs Bluthochdruckpatienten die vom Arzt verordneten Medikamente (83%) nicht ein und nur jede vierte (23,6%) befolgt den dringenden Rat des Arztes, bedrückende Stressbelastungen zu vermeiden. Bluthochdruck tut nicht weh, sodass die Gefahr unbemerkt jahre- bis jahrzehntelang bestehen und sich potenzieren kann, bevor sie festgestellt und behandelt wird. Dauerhaft erhöhter Druck in den Arterien schädigt das Herz, die Blutgefässwände, das Gehirn, die Augen und Nieren. Von der Gefahr schwer wiegender Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall ganz zu schweigen. Die arterielle Hypertonie wird in der Maßeinheit Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) dargestellt und mit zwei Werten beschrieben. Der obere systolische Blutruckwert entsteht während des Zusammenziehens des Herzens, wenn das Blut in die Arterien gepumpt wird. Danach erschlafft das Herz und der dabei entstehende geringere Blutdruck ist der diastolische, der untere Wert. Je nach dem wie sich die paarweise festgestellten Werte darstellen, wird der Blutdruck eingeteilt. Ein optimaler Wert ist: 120 systolisch zu 80 diastolisch. Ab 140:90 wird von Bluthochdruck gesprochen.

Ursachenfindung und Behandlung
Abgesehen von einem erbbedingten Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen weisen die Blutdruckwerte bei Männern und Frauen klare Unterschiede auf. Viele junge Frauen genießen meistens unbemerkt den Vorteil niedrige bis normale Blutdruckwerte zu haben. Dies wirkt sich positiv auf die Einnahme der Pille aus, weil diese Form der Verhütung den Blutdruck anhebt. Vor dem Klimakterium erleiden Frauen seltener einen Herzinfarkt oder Hirnschlag als Männer aus der vergleichbaren Altersgruppe. Weibliche Geschlechtshormone schützen die Elastizität der Blutgefässwände und erhalten deren lichte Weite. Geht die Östrogenwirkung langsam zurück, fällt auch mit den Wechseljahren der Schutz auf das Herz und die Blutgefässe geringer aus. Es kommt zu einer Fehlbalance, wenn Androgene, die männlichen Geschlechtshormone im Organismus der Frau die Überhand gewinnen. Diese sind für die Herzkreislaufleiden der Männer in jüngeren Jahren verantwortlich. Eine frühzeitige Hormon-Ersatz-Therapie zur Vorbeugung von weiblichen Herzkreislauf-Erkrankungen wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Jedoch kann ein offenes Arzt-Patientinnen-Gespräch zur Abklärung hilfreich sein, um eine individuelle Hormon-Ersatz-Therapie nach dem Motto: So lang wie nötig, so niedrig dosiert wie möglich, zu beginnen. Außerdem stehen zahlreiche Medikamente zur Blutdrucksenkung zur Verfügung. Sie sollten nur entsprechend eingenommen werden. Ganz entscheidend können sie dazu beitragen, den überhöhten Blutdruck bei der älteren Frau in den Griff zu bekommen. Derzeit leiden von den 65-74jährigen 48% und ab dem 75. Geburtstag 55-60% an überhöhten Druckwerten. Zusammenfassend ist zu sagen, dass die frauenspezifischen Blutdruckwerte und deren Anstieg noch nicht vollständig geklärt sind. Jedoch scheint das Absinken der weiblichen Geschlechtshormone eine ganz wesentliche Rolle zu spielen

Prävention ist das A und O
Bereits in jungen Jahren werden durch einen gesunden Lebensstil die späteren erhöhten Blutdruckwerte im Zaum gehalten. Über- und Fehlernährung, Bewegungsunmut, frühzeitiges Zigarettenrauchen und Alkoholkonsum in regelmäßigen Abständen (auch Mädchen sind beim Komasaufen dabei) ebnen den Weg in hausgemachte Zivilisationskrankheiten im Allgemeinen und in die Fänge des Bluthockdruckes im Besonderen. Wer mit vollwertiger Kost (Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, wenig Salz) und ausreichender Flüssigkeit (Wasser, verdünnte Säfte, Grün- und Kräutertee unter Verzicht auf zuckersüße Getränke) die alltägliche Kost gestaltet, bedrückenden Stress vermeidet und sportlich aktiv ist, wird kaum mit Übergewicht zu kämpfen haben.

Bluthochdruck – häufige Komplikation in der Schwangerschaft
Blutdruckwerte von oder über 140:90 mmHg sind auffällig und sprechen für einen schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck, den die betroffenen Frauen häufig gar nicht bemerken. Erst bei der Vorsorgeuntersuchung fallen durch gezielte Messungen die überhöhten Blutdruckwerte auf. Eine Abklärung der Ursachen ist bis zum heutigen Tage noch nicht eindeutig möglich. Möglicherweise sorgen auch Schäden an der inneren Schleimhaut der Gebärmutter nach Fehlgeburten oder Entzündungen dafür, dass die Durchblutung der Plazenta absinkt. Der mütterliche Blutdruck versucht deshalb aktiv entgegenzuwirken und steigt an. Darüber hinaus gibt es neuere Hinweise, dass auch eine gestörte körpereigene Abwehrfähigkeit oder Blutgerinnung der Grund für den Anstieg des Blutdrucks sein können. Kommt es durch Bluthochdruck zu Schäden in den Nierengefäßen, die mit einer Eiweißausscheidung verbunden sind, sprechen die Frauenärzte von einer Präeklampsie. Diese tritt dank moderner ärztlicher Schwangerenbetreuung heute wesentlich seltener auf. Außerdem kann es auch zu Wasseransammlungen vor allem an Händen und im Gesicht kommen, die eine deutliche Gewichtszunahme bedeuten. Geschwollene Füße am Abend sind in den letzten Wochen der Schwangerschaft dagegen eine ganz normale Erscheinung. Unbehandelt oder unerkannt kann der erhöhte Blutdruck mit Ödemen und schlimmstenfalls mit Krämpfen verbunden sein, der so genannten Eklampsie. Schwangeren könnte ab der 22.-24. Woche zusätzlich zur Blutdruckmessung eine Doppleruntersuchung angeboten werden. Bei dieser Art des Ultraschalls wird der Blutfluss in der Plazenta als farbiges Signal sichtbar gemacht. Schwangere, die im Beruf und im Familienalltag den vielfältigen Ansprüchen gerecht werden wollen, sollten einen hohen Blutdruck als warnendes Signal verstehen und sich selber möglichst nicht unter Druck setzen.

Die Frauenärztinnen und Frauenärzte des Berufsverbandes Frauenärzte kennen die Gefahren für die Schwangeren und ihre Ungeborenen sowie der älteren Frauen durch überhöhte Blutdruckwerte und können gemeinsam mit ihren Patientinnen die Gefahr bannen.

Maria-E. Lange-Ernst