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20.04.2015 - Termin-Servicestellen – Fehldiagnosen am Telefon

Fast 15 fest vereinbarte Termine pro Woche fallen im Durchschnitt in jeder Frauenarztpraxis in Deutschland aus, weil Patientinnen entweder gar nicht oder nicht rechtzeitig absagen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage, die unter den Mitgliedern des Berufsverbandes der Frauenärzte durchgeführt wurde.

„Am besten wäre es, wenn alle Patientinnen ihre Arzttermine zuverlässig ernstnehmen würden. Dann hätten wir Sicherheit in der Planung und könnten auch Termine schneller vergeben“, so der Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. „Die Terminservicestellen für Facharztbesuche jedenfalls, die das Bundesgesundheitsministerium plant, und die auch in der Bundestagslesung im März nicht in Frage gestellt wurden, werden keine Lösungen bringen, im Gegenteil. Es ist geplant, dass in diesen Stellen medizinische Laien am Telefon sitzen, die allein aus dem Telefonat bei sämtlichen Beschwerden – gleich ob Magen, Ohr, Unterleib, Kniegelenk – entscheiden müssen, ob ein echter Notfall vorliegt und dann dem Patienten eine Praxis zuweisen werden“. Fehlentscheidungen werden bei einer solchen Form der telefonischen Schnelldiagnose an der Tagesordnung sein.

Sollten tatsächlich entsprechend den Vorstellungen des Ministeriums Terminservicestellen eingerichtet werden, die aus dem Budget der niedergelassenen Ärzte finanziert werden sollen, so schlagen einige Ärzte inzwischen vor, dass Patienten und Patientinnen für nicht wahrgenommene und nicht rechtzeitig abgesagte Termine eine Ausfallentschädigung zahlen sollten. „Es wäre eine Überlegung wert, ob man mit einem solchen Instrument nicht eine bessere Sicherheit in die Terminplanung bekommt und damit auch lange Wartezeiten verhindern kann.“

An der Umfrage, auf die sich der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte bezog, hatten 622 niedergelassene Frauenärztinnen und –ärzte aus ganz Deutschland teilgenommen. Sie führten im September und Oktober 2014 eine Strichliste über vereinbarte, aber ausgefallene Praxistermine ihrer Patientinnen. Insgesamt wurden in den befragten Praxen über einem Zeitraum von vier Wochen 35.905 Termine nicht eingehalten bzw. nicht rechtzeitig abgesagt. Das entspricht im Durchschnitt 58 Terminen pro Praxis innerhalb von vier Kalenderwochen oder pro Woche einem Durchschnitt von fast 15 Terminen, für die die Praxis Zeit reserviert hatte, so erläutert Dr. med. Jens Schweizer, Georgsmarienhütte, der Initiator der Umfrage. „Um nicht mitten in der Praxiszeit Pausen einlegen zu müssen, müssen wir so planen, dass wir diese ausgefallenen Termine ausgleichen; das heisst, wir müssen eigentlich täglich im Durchschnitt drei Patientinnen mehr bestellen als eigentlich in den Plan passen. Und wenn dann doch alle kommen, oder wir haben einen oder zwei Notfälle, dann kann es zu Wartezeiten kommen."

Quelle: FRAUENARZT 46(2015), S. 202 f. Schweizer J., Termin-Servicestellen - überflüssig, teuer, ärgerlich.