Berufsverband der Frauenärzte e.V.

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Frauenärzte lehnen medizinisch nicht erforderliche individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) ab

Stellungnahme des Berufsverbandes der Frauenärzte zur aktuellen Diskussion um IGeL

Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) lehnt Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) ab, wenn diese medizinisch nicht erforderlich sind. Gleichzeitig möchte er die Bedürfnisse von Frauen respektieren, wenn diese den Wunsch nach medizinischer Versorgung äußern, die über den Leistungsumfang der Gesetzlichen Krankenversicherung hinausgeht. Der Verband befürwortet dabei eine sachliche Patientenaufklärung, wie sie beispielsweise in dem Patienten-Ratgeber zu IGe-Leistungen der Bundesärztekammer (2008) nachzulesen ist. „Im Zeitalter der Internets sind viele Patientinnen über die modernen medizinischen Möglichkeiten eines Fachgebietes informiert und möchten die Anwendung solcher Leistungen in ihrer individuellen Situation. Sie äußern den Wunsch nach der bestmöglichen Versorgung, auch wenn diese über den Leistungsumfang ihrer Krankenkasse hinausgeht. Jedes Angebot von IGeL muss jedoch der hohen ärztlichen Verantwortung gegenüber den Patientinnen Rechnung tragen“, betont Dr. Christian Albring, der Präsident des BVF.


Selbstzahler-Leistungen im individuellen Fall empfehlenswert
Das Angebot von individuellen Gesundheitsleistungen beim Arzt umfasst medizinische Leistungen, die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht bezahlt werden, aber im individuellen Fall sinnvoll und empfehlenswert sein können. „In gynäkologischen Praxen werden beispielsweise das Ersttrimesterscreening, das Screening auf Gestationsdiabetes, sowie das Screening auf Veränderungen an der Gebärmutter, den Eierstöcken und der Brust mittels Ultraschall durchgeführt - auf ausdrücklichen Wunsch der Patientinnen“, erläutert Dr. Christian Albring, Präsident der BVF. Das Ersttrimesterscreening (ETS) dient vielen werdenden Müttern als Entscheidungsgrundlage für oder gegen eine invasive Fruchtwasserpunktion. Im Rahmen des ETS wird das individuelle Risiko des Kindes für einen Chromosomenfehler ermittelt. Die vaginale Ultraschalluntersuchung ermöglicht im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge das frühzeitige Erkennen von Schwangerschaftskomplikationen, und erweitert im Rahmen der Krebsfrüherkennungsuntersuchung die Möglichkeit einer guten Differenzierung nicht tastbarer cystischer und solider Tumoren im kleinen Becken. Sie ist bei übergewichtigen und ängstlich verspannten Patientinnen sowie verlagerten Organen nahezu unverzichtbar. Die Ultraschalluntersuchung derBrust verbessert die Früherkennung von Brustkrebs. Bis zu einem Viertel der Mammakarzinome, die zur Therapie in einer Klinik anstehen, werden durch die IGeL-Mammasonographie im Rahmen der Krebsfrüherkennungsuntersuchung entdeckt.

„Es gibt sicherlich beim Einsatz von IGeL-Leistungen in der Praxis manches Fehlverhalten von Ärzten. Das darf aber nicht dazu führen, dass individuelle Gesundheitsleistungen in ihrer Gesamtheit abgewertet werden. Im Gegenteil: Viele solcher Wahlleistungen - wie beispielsweise innovative Diagnostik- und Behandlungsmethoden - haben in der Vergangenheit Einzug in das System der Gesetzlichen Krankenversicherung gehalten oder werden im Rahmen besonderer Krankenkassenverträge angeboten“ ,erläutert Dr. Albring. Das Screening auf Gestationsdiabetes(GDM) wurde beispielsweise 2011 nach 15 Jahren der Diskussion endlich vom Gemeinsamen Bundesausschuss als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung eingeführt – es hatte bis dahin zahllosen Kindern und Müttern Erkrankung und Geburtsrisiken erspart. Für den Ärztepräsident ein klarer Beweis für die Wertigkeit von IGeL im deutschen Gesundheitssystem.

Mehr Informationen zur Frauengesundheit unter www.frauenaerzte-im-netz.de

Ansprechpartner für Presseanfragen:
Dr. Christian Albring
Tel: 0511 – 604 04 04