BVF

Berufsverband
der Frauenärzte

Kontakt | Presse | Login

| Fachliche Meldung |

PRÄSIDENTENBRIEF zur elektronischen Dokumentationspflicht nach oKFE-Richtlinie ab 01.10.2020

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, am 1. Oktober ist es soweit: Die Krebsfrüherkennungsuntersuchungen müssen zusätzlich auf Datensätzen des IQTIG elektronisch dokumentiert werden.

Gleichzeitig werden die Bewertungen der EBM 01761 um 37, der 01764 um 26 und der 01765 um 71 Punkte heraufgesetzt.

Ursprünglich galt diese Dokumentationspflicht schon ab 1. Januar 2020. Sie wurde jedoch ausgesetzt, weil einige PVS-Hersteller mit der Fertigstellung der nötigen Software zum Termin nicht zum Ende gekommen waren. Sie wird deshalb erst jetzt scharf geschaltet.

Das bedeutet für alle am Programm beteiligten ÄrztInnen, dass neben dem bekannten Krebsfrüherkennungsbogen, Muster 39, zusätzlich ein dreiseitiger Datensatz PB-Verfahren zur Früherkennung von Zervixkarzinomen (Primärscreening) ausgefüllt werden muss, den der G-BA über das IQTIG vorgegeben hat.

Schon im Jahr 2018 wurden in den tragenden Beschlüssen des G-BA diese Datensätze zur Dokumentation für die GynäkologInnen, die den Krebsabstrich vornehmen, für den Zytologen für das Zytologie-Ergebnis, für den Pathologen/Zytologen für den HPV-Test und für den Kolposkopiker in der Dysplasie-Sprechstunde präsentiert.

Der dreiseitige Datensatz (Primärscreening) für die Niedergelassenen muss leider nicht nur die Daten, die auf dem Muster 39 dokumentiert werden, sondern danach auch die Ergebnisse, die die Zytologen (Pap-Test) und Pathologen (HPV-Test) in ihren Beurteilungen an uns zurückgegeben haben, enthalten.

Die Niedergelassenen müssen also den Pap-Test, den HPV-Test und Daten des Muster 39 zusammenführen, im Datensatz (Primärscreening) dokumentieren und am Ende des Quartals an die zuständige Länder-KV schicken.

Die Abgabe dieses Datensatzes muss nicht mit der Abgabe der Quartalsabrechnung zusammen erfolgen, da ja z.B. ein Abstrich, der am 28. Dezember vorgenommen wurde, durchaus auch erst nach längerer Zeit in der Praxis zur Dokumentation im Datensatz zur Verfügung steht.

Die KVen anonymisieren die Daten der Leistungserbringer und übersenden diese Daten – zusammen mit den Datensätzen der Kolposkopiker - an eine bundeseinheitliche Vertrauensstelle, die ihrerseits die Daten pseudonymisiert an die zentrale Auswertungsstelle weitergibt. Erst dort erfolgt die statistische Auswertung. 

Obwohl neun Monate ins Land gegangen sind, sind die vorgeschriebenen Probeläufe mit der Dokumentationssoftware zumindest nach unserer Kenntnis nicht vollständig gelaufen.

Weder KBV noch der BVF kennen zum jetzigen Zeitpunkt - 9 Tage vor Inkrafttreten des Beschlusses des G-BA - die Umsetzung der Vorgaben in die Software durch die einzelnen PVS-Häuser.

Deshalb ist es neben dieser Information Ihres BVF wichtig, dass Sie die Instruktionen Ihres Softwarehauses sorgfältig studieren.

Nichtsdestotrotz müssen wir Untersuchungen ab dem 1. Oktober dokumentieren, auch wenn die Umsetzung bzw. Durchführung noch etwas holprig sein wird.

In Kenntnis dieses Umstandes und weil der IQTIG-Datensatz ab 1. Januar 2021 noch einmal leicht in seiner Form verändert wird, hatte der Berufsverband die Kassenärztlichen Bundesvereinigung gebeten, den G-BA zu einer Verschiebung des Beginnes der Dokumentationspflicht auf den 1. Januar 2021 zu bewegen. Trotz intensiver Bemühungen der KBV und guter Argumente ist das am Widerstand der anderen ‚Bänke‘ im G-BA gescheitert.

Leider sind auch das Muster 39a und der IQTIG-Datensatz (Primärscreening) nicht vollkommen kongruent.

Da aber an der Vorgabe des IQTIG durch die KBV nichts verändert werden kann, wird jetzt in einer Arbeitsgruppe - bestehend aus der KBV und dem BVF – versucht, das Muster 39 zum 1.1.2021 so passend zu gestalten, dass ein Großteil der Daten automatisch vom Muster 39 auf den IQTIG- Datensatz übernommen werden kann, so dass sich die händische Vervollkommnung des Datensatzes (Primärscreening) vor Abgabe an die KV ausschließlich auf das Ergebnis des Pap- und HPV-Testes bzw. weniger anderer Fakten beschränken würde. Das Ausfüllen aller Datensätze sollte daher vielleicht beim ersten Mal auf das Quartalsende bzw. Anfang 2021 verlegt werden.

Entscheidend ist es, die PVS-Hersteller in die Pflicht zu nehmen: Sie können, müssen aber
nicht (!) ihre Software dahingehend gestalten, dass diese Daten automatisch übernommen werden.

Die KBV hat die Möglichkeit der automatischen Datenübernahme vom Muster 39 auf den IQTIG-Datensatz erarbeitet, kann aber die PVS-Hersteller nicht zur Einarbeitung zwingen.

Diesen Einfluss muss jeder von uns nehmen, in dem er seinen Softwarehersteller auffordert, die automatische Übernahme der Daten vom Muster 39 in den IQTiG-Datensatz spätestens zum 01.01.2021 möglich zu machen. 12.000 Briefe bzw. Anrufe sollten Erfolg haben!

Die Datenübertragung an die KV am Ende des jeweiligen Quartals erfolgt zurzeit auch noch von KV zu KV unterschiedlich. Daher kann der BVF Fragen zur Krebsfrüherkennungsuntersuchung nicht beantworten, sondern muss Sie leider bitten solche Fragen ihrer jeweiligen Landes-KV zu stellen.

Alles was in der Folge dieses Präsidentenbriefes an Neuem zur Dokumentation bekannt wird, wird Ihnen Ihr BVF wiederum über Bvf@ktuell direkt berichten.

->Bitte melden Sie sich daher unbedingt unter www.bvf.de bei Bvf@ktuell an, damit auch Sie zu den Empfängern dieser wichtigen zeitnahen Information gehören.

Bitte lesen Sie auch die Information der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zur elektronischen Dokumentation ab 1. Oktober 2020, die Ihnen Ihre KV zugeschickt hat bzw. zuschickt (abrufbar auch unter: https://www.kbv.de/html/1150_48110.php), und lesen Sie diese genau so sorgfältig durch wie die heutige Information Ihres BVF.

Diese war übrigens deshalb nicht früher möglich, weil erst am Wochenende die letzten Abstimmungen der Vertreterversammlung Ihres BVF in einem Gespräch mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung beendet wurden.

 

Mit herzlichen kollegialen Grüßen,

stellvertretend für Ihre Landesvorsitzenden, Ihr Christian Albring