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PatientInnen brauchen flächendeckend Versorgungssicherheit bei unverzichtbaren Medikamenten

Berlin, im Februar 2022 – Der Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) fordern zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS) am aktuellen Beispiel des nur noch schwer verfügbaren Brustkrebsmedikaments Tamoxifen eine transparentere Kommunikation und Informationen bei Lieferengpässen. Für eine nachhaltige Versorgungssicherheit braucht es eine Neuausrichtung, die nicht länger durch die Mechanismen von Preis- und Rabattdruck gefährdet ist, sondern eine Skalierbarkeit gewährleistet, die Schaden von den PatientInnen abwendet.

Weil Lieferschwierigkeiten bei Arzneimitteln zunehmend die Patientenversorgung in vielen Fachgebieten bedrohen, bemühen sich viele ärztliche Fachgesellschaften und Verbände seit langer Zeit, um ein konsequentes Vorgehen gegen Engpässe. In der Frauenheilkunde etwa waren unlängst Schwangere mit Bluthochdruckkomplikationen einer entsprechenden Situation ausgesetzt, als das Medikament alpha-Methyldopa nicht verfügbar war. Von der aktuellen Tamoxifen-Verknappung sind nun etwa 125.000 Patientinnen bundesweit betroffen, die den Wirkstoff zur Behandlung von Brustkrebserkrankungen einnehmen. Seit Jahresbeginn ist der Wirkstoff aus unterschiedlichen Gründen nur noch schwer verfügbar.(1)

Tamoxifen ist ein essenzieller Wirkstoff vor allem in der Brustkrebstherapie, bei dem es für viele Frauen keine Alternativen gibt. Bei behandelnden Gynäkologinnen und Gynäkologen löst die Situation große Betroffenheit aus, denn für viele Brustkrebspatientinnen stellt die Information zum Tamoxifen-Engpass eine gravierende psychische Beanspruchung in einer ohnehin sehr belasteten Lebenssituation dar. Von ärztlicher Seite bemühen wir uns, den Wirkstoff-Engpass abzumildern und unsere Patientinnen bestmöglich durch diese Zeit zu begleiten. Ein besseres Frühwarnsystem und skalierbare Möglichkeiten, die Defizite einer heterogenen Versorgungskette rechtzeitig abwenden, sind unsere ärztlichen Forderungen.

(Dr. Klaus Doubek, Präsident des Berufsverband der Frauenärzte e.V.)

Die Hintergründe für die Verknappung von Tamoxifen sind noch nicht vollständig geklärt. Eine mögliche Ursache ist ein Anstieg der Verschreibungen seit dem ersten Quartal 2020 im zeitlichen Zusammenhang mit den Lockdown-Maßnahmen der COVID-19-Pandemie. Diese Strategie zur Bevorratung war kombiniert mit einer geringen Flexibilität in den Herstellungsprozessen sowie der Herausforderung, dass ein notwendiger Stabilisator für die Tamoxifen-Tabletten laut Berichten nicht mehr produziert wird. Für die betroffenen Patientinnen ist der aktuelle Zustand eine erhebliche Belastung. Zudem hat Tamoxifen im Vergleich zu alternativen Wirkstoffen die zur Brustkrebsbehandlung eingesetzt werden können, ein vergleichsweise geringes Nebenwirkungsprofil. Notwendige Therapieumstellungen, die grundsätzlich ein Lösungsansatz sein können, sind in diesem Fall mit einer höheren Nebenwirkungsrate belastet.

Unser Apell lautet: Bei der Medikamentenversorgung in einem so reichen Land wie Deutschland muss ein Umdenken stattfinden. Das bisher prioritäre Ziel der niedrigen Preise sollte abgelöst werden vom primären Ziel der Versorgungssicherheit.

(Prof. Dr. Anton J. Scharl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.)

Wichtig sei nun vor allem, dass keine weiteren Bevorratungen getätigt würden, um jetzt neu zu versorgenden Patientinnen das Medikament nicht komplett vorzuenthalten, betont in diesem Zusammenhang auch Prof.in Sara Y. Brucker, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V..

In seiner Sitzung vom 9. Februar 2022 wurden vom Beirat für Liefer- und Versorgungsengpässe beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einstimmig verschiedene Maßnahmen zur Abmilderung der Lieferengpässe bei tamoxifenhaltigen Arzneimitteln beschlossen. Unter anderem sollen ÄrztInnen in den kommenden Monaten keine Rezepte für eine individuelle Bevorratung ausstellen.(2)

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) hat gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS), der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. (AGO), der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. (DGHO) und der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) fachliche Empfehlungen im Zusammenhang mit dem Lieferengpass für Tamoxifen herausgegeben.(3)

Quellen
1 https://anwendungen.pharmnet-bund.de/lieferengpassmeldungen/faces/public/meldungen.xhtml
2 https://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Arzneimittelinformationen/Lieferengpaesse/Wirkstoffinformationen/tamoxifen-beiratsbeschluss.html
3 www.senologie.org/aktuelle-standards/stellungnahmen und https://www.dggg.de/stellungnahmen/kategorie/dggg