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Prämenstruelles Syndrom (PMS) und Dysmenorrhoe - Die Last vor und an den Tagen

Das Prämenstruelle Syndrom gehört zu den häufigsten und bereits seit Jahrzehnten bekannten gynäkologischen Beschwerdebildern. Obwohl PMS schon 1931 in der medizinischen Fachliteratur beschrieben wurde, sind weder seine Entstehung und Entwicklung ausreichend geklärt noch eine einheitliche Beschreibung des facettenreichen Beschwerdebildes möglich.

Das Prämenstruelle Syndrom gehört zu den häufigsten und bereits seit Jahrzehnten bekannten gynäkologischen Beschwerdebildern. Obwohl PMS schon 1931 in der medizinischen Fachliteratur beschrieben wurde, sind weder seine Entstehung und Entwicklung ausreichend geklärt noch eine einheitliche Beschreibung des facettenreichen Beschwerdebildes möglich.

Viele Frauen sind betroffen
Drei Viertel aller Frauen im gebärfähigen Alter klagen über prämenstruelle Beschwerden. Etwa 25% von ihnen leiden am Prämenstruellen Syndrom und bei etwa 5% sind die Beeinträchtigungen so stark ausgeprägt, dass kaum ein Bereich des täglichen Lebens unbeeinflusst bleibt. Diese Zahlen nannte Prof. Dr. Cosima Brucker von der Universitätsfrauenklinik Ulm anlässlich des 13. Symposiums “Praktische Endokrinologie für Frauenärzte”. Wegen der vielschichtigen Beschwerden, die mit mehr als 100 verschiedenen Symptomen beschrieben werden, ist eine allgemein gültige Definition des Prämenstruellen Syndroms kaum möglich.

Vielfalt der Symptome
Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass es eine Häufung bestimmter Symptome gibt, die alle von einer Zyklusabhängigkeit geprägt sind. Diese haben ihren Ursprung in dem natürlichen Anstieg des Hormons Prolaktin in der zweiten Zyklushälfte. Prolaktin wird in der Hypophyse (= Hirnanhangdrüse) gebildet und ist auch als Stillhormon bekannt. Bei prämenstruellen Beschwerden geht man davon aus, dass das gesunde hormonelle Gleichgewicht aus der Balance gerät. Interessant ist die Erkenntnis, dass Östrogene die Konzentration bestimmter Botenstoffe im Gehirn erhöhen. Dies gilt insbesondere für den wichtigen Neurotransmitter Serotonin, der sich auf den jeweiligen Gemütszustand auswirkt. Selbst wenn es sich bei PMS um ein biologisches Geschehen handelt, so sind die seelischen und psychosozialen Faktoren unbedingt einzubeziehen. Aus diesem Grunde spielen bei der Beurteilung des Prämenstruellen Syndroms das Lebensalter, die Schulbildung und soziale Schicht, der Beruf oder auch Geburtserfahrung eine Rolle, obwohl schlüssige Erkenntnisse noch immer fehlen. Eines lässt sich jedoch festhalten: Das Prämenstruelle Syndrom ist und bleibt ein biologisches Ereignis, das in erster Linie von den “inneren Drüsen” (= endokrin) gesteuert wird. Psychologisch erkennbare zusätzliche Belastungen sind jedoch in der Verkettung von Ursachen ein wichtiger Gesichtspunkt, der auch aus psychotherapeutischer Sicht betrachtet werden sollte. Übersicht der häufigsten Beschwerden:

Symptome - Anteil in %
Müdigkeit - 92
Reizbarkeit - 91
Blähungen - 90
Empfindlichkeit der Brust, Brustspannen - 85
Labiler Gemütszustand (Traurigkeit, Wut) - 81
Depressionen - 80
Akne - 71
Appetitsveränderungen und Heißhunger - 70
Übersensibilität - 69
Anschwellen der Finger, Arme und Beine - 67

(modifiziert nach H.P. Zahradnik et al., Gynäkologie 2000; 33: 225-238)

Widersprüche und Erklärungsversuche
Rein theoretisch liegt der Schluss nahe, dass höhere Konzentrationen von Östrogenen in der Follikel-Reifungsphase des weiblichen Zyklus (Eisprung) die allgemeine Stimmung im Gleichgewicht halten. In der anschließenden Gelbkörperhormonphase mit der verminderten Östrogen- und Progesteronkonzentration entfällt dieser Schutzfaktor. Es kommt bei entsprechender Veranlagung oder besonderer Belastung zu den PMS-typischen Beschwerden im körperlichen und seelischen Bereich. Warum jedoch eine Frau mit Niedergeschlagenheit und Ängsten reagiert und eine andere bei identischer Hormonsituation nicht, wirft weitere Fragen auf. Deshalb werden auch Einflüsse wie z.B. ein reduzierter Melatoninspiegel sowie veränderte Schilddrüsenhormonwerte diskutiert.

PMS – wie sieht die Behandlung aus?
Es gibt verschiedene Medikamente, die der Arzt einsetzen kann. Erst nach exakter Abklärung und ausführlicher Anamnese kann der Gynäkologe abschätzen, welche Therapie geeignet ist. Zur Auswahl stehen: Ovulationshemmer (die Pille), ausschwemmende Medikamente (Diuretika), stimmungsaufhellende Präparate (Antidepressiva) und pflanzliche Arzneimittel wie z.B. Mönchspfeffer (Agnus castus).
Die Umstellung des Lebensstils mit Hilfe einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger körperlicher Aktivität empfiehlt sich darüber hinaus als nebenwirkungsfreies Heilmittel. Nach neuen Erkenntnissen übt die Aufnahme ungesättigter Fettsäuren (z.B. Kaltwasserfisch) ebenso einen günstigen Einfluss auf die Beschwerdebilder aus wie die Gabe von Vitamin B-Komplex, Johanniskraut und Melisse sowie eine Substitution von Magnesium.

Dysmenorrhoe – die schmerzhafte Monatsblutung
Im Gegensatz zur Amenorrhoe, dem Fehlen bzw. Ausbleiben der menstruellen Blutung, versteht man unter Dysmenorrhoe eine besonders schmerzhafte Monatsblutung mit allgemeinem Krankheitsgefühl. Sie ist oft mit Veränderungen im Regelabstand und der Blutungsstärke verbunden. Die Ursachen einer Dysmenorrhoe können anatomisch bedingt sein. Es handelt sich z.B. um Gebärmuttergeschwülste, Schleimhautpolypen, entzündliche Genitalerkrankungen, Versprengungen der Gebärmutterschleimhaut (Endometriose) oder Einengungen des Gebärmutterhalskanals. Da diese Formen nicht in der Pubertät, sondern im späteren Lebensalter auftreten, bezeichnet man sie als sekundäre Dysmenorrhoe. Treten die Beschwerden bereits zu Beginn der Monatsblutungen in der Pubertät auf, wird von einer primären Dysmenorrhoe gesprochen. Ursachen können eine Lageanomalie der Gebärmutter sowie deren Missbildung und eine gestörte Hormonbalance zwischen Östrogen und Gestagen oder eine übermäßige Prostaglandin-Bildung der Gebärmutterwand und -schleimhaut sein. Bei rund 20% aller Frauen besteht wegen des ausgeprägten Beschwerdebildes die Notwendigkeit einer Therapie.

Behandlung der Dysmenorrhoe
Das Therapiespektrum der Dysmenorrhoe ist breit gefächert. Zunächst sollten alle organischen und hormonellen Ursachen abgeklärt werden. Krampflösende Medikamente und Schmerzmittel haben in der Schmerzlinderung einen hohen Stellenwert. Orale Ovulationshemmer wie die Pille sind weit mehr als nur ein Verhütungsmittel! Insbesondere bei Menstruationsbeschwerden kann die Pille zur Linderung beitragen. Dysmenorrhoen lassen sich durch die Einnahme niedrig dosierter Einphasenpräparate bessern. Allerdings sollte zuvor abgeklärt werden, ob die Dysmenorrhoe nicht die Folge einer Endometriose oder von Entzündungen im kleinen Becken ist. Auch der bei zahlreichen Frauen auftretende Mittelschmerz während des Ovulationsvorgangs wird durch orale Kontrazeptiva vermieden. Zu einer Behandlung der Endometriose eignet sich ein gestagenbetonter Ovulationshemmer, um eine Besserung der Beschwerden zu erreichen. Allerdings lässt sich ein Ausheilen der Endometriose damit nicht bewerkstelligen.

Mit diesen Erläuterungen möchte der Berufsverband der Frauenärzte darauf hinweisen, dass die Beschwerden des Prämenstruellen Syndroms erkannt, behandelt und überwunden werden können. Das gilt ebenso für das belastende Krankheitsbild Dysmenorrhoe.

Maria-E. Lange-Ernst