Pressemitteilung |

Sparpläne gefährden die Versorgung von Frauen – Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) fordert: „Wer Frauengesundheit stärken will, darf gynäkologische Versorgung nicht schwächen.“

Die geplanten Sparmaßnahmen in der gesetzlichen Krankenversicherung treffen die Versorgung von Frauen an einer zentralen Stelle und stoßen in der Fachgruppe der Frauenärztinnen und Frauenärzte auf deutliche Kritik und Unverständnis. Sie schwächen ausgerechnet die ambulanten Strukturen, die für viele Patientinnen den ersten und oft entscheidenden Zugang zur medizinischen Versorgung sichern. Frauenärztinnen und Frauenärzte sind für viele Frauen die primärztliche Versorgung. Gerade deshalb treffen Kürzungen bei offener Sprechstunde, kurzfristigen Terminen und direktem Zugang die Versorgung von Frauen unmittelbar.

Patientinnen wenden sich mit Beschwerden, Vorsorgeanliegen und Fragen zu Schwangerschaft, Verhütung, Krebsfrüherkennung, Endometriose, Wechseljahren, Inkontinenz oder onkologischer Nachsorge unmittelbar an die frauenärztliche Praxis. Wer diesen Versorgungsweg politisch ernst nimmt, muss den Primärarztzugang in der Frauenheilkunde erhalten und gezielt stärken. Besonders widersprüchlich ist das mit Blick auf Themen, die die Politik selbst in den Fokus gerückt hat. Endometriose, Wechseljahre, Prävention und die gesundheitliche Versorgung von Frauen erhalten zu Recht mehr Aufmerksamkeit. Umso unverständlicher ist es, wenn gleichzeitig genau die Praxen geschwächt werden sollen, die diese Leistungen täglich erbringen.

Kritisch sieht der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) vor allem die geplante Rücknahme der TSVG-Regelungen. Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz wurden zusätzliche Versorgungsaufträge ausdrücklich mit zusätzlicher Vergütung verknüpft. Praxen haben ihre Sprechstunden ausgeweitet, zusätzliche Akutfälle aufgenommen und kurzfristige Termine ermöglicht.

Wird nun die Vergütung gestrichen, die Verpflichtung aber beibehalten, kündigt die Politik ihre eigene Versorgungslogik einseitig auf. Die Folgen wären in frauenärztlichen Praxen unmittelbar spürbar,

so Rolf Englisch, Vorstandsmitglied des BVF. 

Die Beibehaltung der offenen Sprechstunde ohne Vergütung bedeutet für viele Praxen erhebliche Umsatzeinbußen bei gleichzeitig steigender Kostenstruktur. Damit gerät genau der direkte Zugang unter Druck, den Frauen in vielen Lebensphasen brauchen. Das betrifft keinen Randbereich, sondern die Versorgung von ca. 50 Prozent der Bevölkerung. Besonders problematisch ist, dass Einschnitte gerade im Bereich der Prävention und frühen Versorgung gravierende Folgen haben. Mutterschaftsvorsorge, Krebsfrüherkennung, HPV-Impfung und Impfberatung, Beratung zu Verhütung, Stillen, Ernährung und gesundheitlichen Risiken sowie die kontinuierliche Betreuung bei chronischen gynäkologischen Erkrankungen verhindern schwere Verläufe und senken langfristig Folgekosten. Wer hier kürzt, spart nicht nachhaltig, sondern verschiebt Belastungen in spätere und häufig teurere Krankheitsverläufe.

Frauenärztinnen und Frauenärzte sichern für Millionen Patientinnen den direkten Zugang zu Prävention, Früherkennung und Behandlung. Wer an dieser Stelle spart, erschwert nicht nur den Zugang zur frauenärztlichen Versorgung, sondern gefährdet die Gesundheit von Frauen in allen Lebensphasen,

erklärt Markus Haist, Präsident des BVF.

Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) fordert deshalb, die geplanten Kürzungen im Bereich der ambulanten gynäkologischen Versorgung zurückzunehmen und den Primärarztzugang in der Frauenheilkunde politisch abzusichern. Der BVF fordert neben der vollständigen Entbudgetierung der Frauenheilkunde, um eine Benachteiligung von Frauen in Deutschland zu verhindern, eine flächendeckende fachärztliche Entbudgetierung. Frauengesundheit braucht keine nachgelagerte Reparaturmedizin, sondern verlässliche, früh zugängliche und finanziell tragfähige Versorgung.

© Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V.

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