Hitzeschutz in Praxen und für Patientinnen

Hitze ist das größte klimawandelbedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland. Durch den Klimawandel werden Hitzewellen häufiger. Dies hat Folgen für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Frauen. Frauenärztliche Praxen nehmen eine Schlüsselrolle in der Betreuung besonders vulnerabler Gruppen wie Schwangere, Wöchnerinnen, chronisch kranke oder ältere Patientinnen ein.

Nachfolgend ist eine Auswahl an Informationen zu Präventions- und Handlungsmöglichkeiten zum Hitzeschutz für Praxen und Patientinnen aufgeführt.

1. Informationen für Sie, Ihr Praxispersonal und Ihre Praxis

Video: Fünf Tipps für die nachhaltige Praxis

Erste Schritte in die nachhaltige Praxis können ganz klein sein. Entscheidend ist die Umsetzbarkeit im Praxisalltag. Als Gedankenanstoß zum Hitzeaktionstag hat der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte daher ein Video veröffentlicht, in dem Susanne Bechert, Frauenärztin und Landesvorsitzende Schleswig-Holstein fünf Schritte in die nachhaltige Praxis vorstellt:

  1. Recycling Papier nutzen
  2. Werbesendungen abbestellen
  3. Sinnvoller Einsatz von Einweg-Handschuhen
  4. Klimafreundliche Mobilität
  5. Ökostrom

 

Textversion des Videos "Klimaneutrale Praxis"

[Susanne Bechert]

Wir geben heute Tipps für erste Schritte in die nachhaltige Praxis. 

Hallo, mein Name ist Susanne Bechert. Ich bin Berufsverbands-Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein und gleichzeitig Mitglied in der AG Gynäkologie bei KLUG, Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit. Der März diesen Jahres, also von 2025, war der wärmste März seit Aufzeichnung der Temperaturmessung. Und Hitze wird immer mehr zur Herausforderung.

Besonders ist es ein Problem für Schwangere, denen uns anvertrauten als Frauenärztinnen und Frauenärzte. Wir sollten zum einen ihnen Handlungsanweisungen geben können, wie sie sich vor Hitze schützen. Und zum anderen sollten wir bedenken, dass der Gesundheitssektor in Deutschland mit 5% der Treibhausgasemissionen auch ein Faktor ist, der zu Klimaerwärmung beiträgt.

Erstens, Nutzung von Recyclingpapier, sowohl bei Handtüchern oder auch Toilettenpapier, das macht viel aus. Und um Arztrollen für die Liegen zu sparen, kann man bei Ultraschalluntersuchungen vielleicht auch die Patientinnen darauf hinweisen, dass sie ihr eigenes Handtuch mitbringen können.

Zweitens, Abbestellen von Werbesendungen. Werbesendungen verursachen Emissionen dadurch, dass sie hergestellt werden, dass sie in Plastik verpackt werden. Pulbchen sind auch wieder Plastikmüll. Und zum anderen binden sie Energie unserer Helferinnen.

Drittens, sinnvollen Einsatz von Handschuhen überdenken. Wann brauche ich Handschuhe, wann brauche ich keine? Handschuhe verursachen Plastikmüll, Einweghandschuhe. Und zum anderen entsteht Methan, wenn sich Plastik zersetzt, was wieder ein Treibhausgase ist.

Deswegen gibt es zum Beispiel eine Richtlinie der KRINKO zum sinnvollen Einsatz von Einweghandschuhen.

Dazu gehört zum Beispiel, dass wir beim Impfen keine Handschuhe tragen müssen. 

Ein weiterer Tipp [viertens] ist der Bereich der Mobilität. Vielleicht lohnt es sich, Jobtickets für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzubieten oder Jobbikes. Wie kommen Patientinnen zu unserer Praxis? Auf der Website die Verbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr ankündigen, vielleicht auch Fahrradstellplätze in der Nähe bereithalten. Und zum Schluss, wenn Termine vermieden werden können und eine Videosprechstunde angeboten wird, ist das auch nachhaltig.

Und zum Schluss [fünftens], der Wechsel zu Ökostrom ist eine sinnvolle und einfache Maßnahme. Lassen Sie sich nicht entmutigen.

Jeder kleine Schritt zählt. Besprechen Sie es im Team, motivieren Sie Ihr Team dazu. Und ich wünsche Ihnen jetzt einen schönen Sommer. Gehen Sie sorgfältig mit sich um, schützen Sie sich vor Hitze.

Informationsmaterial zum Download

Aktionsbündnis Hitzeschutz Berlin: Musterhitzeschutzplan für ambulante Praxen

KlimaDocs: Broschüre Frauengesundheit braucht Klimaschutz

KLUG: Infoblatt für Ärztinnen und Ärzte zu Gesundheitsschutz in Hitzewellen

KLUG: Handout Medikamentenanpassung bei Hitze

KLUG: Handout Prävention von gesundheitlichen Hitzeschäden

KLUG: Kommunikationsleitfaden Frauen vor Hitze schützen

>> Kommunikationsleitfaden Frauen vor Hitze schützen (Veröffentlichung am 04.06.2025)

KRINKO: Kommentar zum indikationsgerechten Einsatz medizinischer Einmalhandschuhe im Gesundheitswesen

Landkreis Ludwigsburg: Maßnahmenplan Arztpraxen

Landkreis Ludwigsburg: Merkblatt zum Hitzeschutz für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

KBV: Hitzeschutzplan für Praxen

2. Informationsangebote für Ihre Patientinnen

Videoreihe Sommerbaby bei "Schwanger mit dir"

Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte begleitet die Schwangeren auch dieses Jahr wieder durch den Sommer mit der Reihe „Sommerbaby“ auf den Kanälen seiner Kampagne zur Schwangerenvorsorge „Schwanger mit dir“. Beginnend mit dem Hitzeaktionstag am 11.06.2026 wird es in den Sommermonaten Juni, Juli und August auf Instagram, Facebook, YouTube und TikTok verschiedene Beiträge zu Hitzethemen geben mit konkreten Tipps und praktischen Empfehlungen zum Schutz in der Schwangerschaft, Linderung von Hitzebeschwerden unter der Geburt und im Wochenbett sowie Hitzeschutzempfehlungen für die erste Zeit mit dem Neugeborenen. Zusätzlich finden Sie hier auch die bereits veröffentlichten Beiträge aus dem Sommer 2025. 

 

3 Tipps bei 30 Grad

Längere Hitzeperioden können den Körper während der Schwangerschaft stark belasten. Frauenärztin Dr. Manuela Tavares gibt im Video drei praktische Tipps, wie Schwangere durch ausreichendes Trinken, eine möglichst kühle Umgebung und die Abkühlung des Körpers gut durch heiße Sommertage kommen.

Textversion des Videos "3 Tipps bei 30 Grad"

[Manuela Tavares]

Jetzt stehen die heißen Sommertage an. Was ist das Thema mit der Hitze? 

Hallo, ich bin Manuela Tavares, ich bin Frauenärztin mit dem Schwerpunkt Geburtshilfe. In einer Übersichtsarbeit weltweit hat man herausgefunden, die Temperaturen gehen hoch und in Deutschland werden 22 Tage im Durchschnitt erwartet, wo die Temperaturen zu heiß sind.

Und was heißt das? Das sind mehr als 30 Grad. Und eine Studie hat gefunden, wenn 5 Tage am Stück 30 Grad sind oder 2 Tage 35 Grad, dass dann eine höhere Gefahr besteht für eine späte Frühgeburt.

Was kannst du tun als Schwangere? Ich habe drei Tipps mitgebracht.

Das erste wäre trinken. Du sollst 2 bis 3 Liter trinken. Und das ist ja irgendwie immer einfach gesagt.

Wie kann man das konkret machen? Ich habe immer diesen großen Becher bei mir, wenn ich bei der Arbeit bin. Da passen 750 Milliliter rein und die versuche ich immer bis 11 Uhr, bis 14 Uhr und bevor ich nach Hause gehe, auszutrinken. Vielleicht hast du auch ein schönes Gefäß, woraus du trinken magst.

Das zweite ist die äußere Temperatur. Sprich, wenn es kalt ist, morgens und abends: Fenster aufmachen, lüften. Vielleicht hast du einen kleinen Ventilator oder einen minikleinen Ventilator, den du benutzen kannst um dich im außen zu kühlen.

Was du auch tun kannst [drittens], ist, dass du deinen Körper kühlst, also so halb-kalt Abduschen, Fußbäder, Klamotten, die sehr leicht sind, eher helle Klamotten, wenn du raus gehst, die Sonne meiden und immer dich im Schatten aufhalten.

Mit diesen drei Tipps: Trinken, äußere Temperaturen, Körpertemperatur runterhalten, glaube ich kommst du sehr gut durch den Sommer. Viel Spaß dabei!

Wie kann ich mit der Hitze als Schwangere gut umgehen?

Hohe Temperaturen können den Kreislauf während der Schwangerschaft belasten. Im Video erklärt Frauenarzt Dr. Richard Krüger, wie Schwangere gut durch heiße Sommertage kommen. Er gibt praktische Hinweise zum ausreichenden Trinken, zur Abkühlung, zum Schutz vor direkter Sonne sowie zum Verhalten auf dem Arbeitsweg und im öffentlichen Nahverkehr.

Textversion des Videos "Wie kann ich mit der Hitze als Schwangere gut umgehen"

[Richard Krüger]

Es ist Sommer, du bist schwanger und neben dem herrlichen Sonnenschein ist es einfach eine wahnsinnige Belastung für deinen Körper. 

Jeden Sommer landen sehr viele Schwangere bei uns in den Notaufnahmen von Kliniken. Nicht nur dein Baby braucht jetzt mehr Flüssigkeit, sondern durch auch das mehr Schwitzen ist es so, dass auch der Flüssigkeitsverlust zu einer Kreislaufbelastung führt.

Und ich möchte dir jetzt ein paar Tipps und Tricks erklären, wie du damit gut umgehen kannst. 

Trinken, trinken, trinken. Viel Flüssigkeit für dich und dein Baby.

Neben dem Trinken auch Flüssigkeit dabei zu haben, um zum Beispiel mit so Facial Sprays oder durch Ventilation einfach auch die Haut und den Organismus runterkühlen zu können. 

Die klare Mittagshitze, wirklich direkte Sonneneinstrahlung sollte im Idealfall komplett vermieden werden.

Und auch lange Stehsituationen, wie beispielsweise morgens im Bus und Bahn, wäre idealerweise zu klären, ob es mit dem Arbeitgeber möglich ist, zu besprechen, ob entweder Homeoffice oder vielleicht auch das Arbeiten zu einem späteren Arbeitsbeginn in Form von Gleitzeit möglich ist. Dadurch vermeidest du im öffentlichen Nahverkehr die Hauptstoßzeiten, wo einfach die Luft stickig ist und vielleicht auch ein Sitzplatz gar nicht verfügbar. 

Natürlich der klare Tipp, nicht darauf zu warten, dass jemand dir den Platz anbietet, sondern ganz klar zu sagen, ich möchte mich bitte hinsetzen, würden Sie den Platz für mich freimachen.

Leichte Kleidung, auch Flipflops, luftige Sachen zu tragen, ist eine klare Empfehlung. Auch ein leckeres Eis zu essen kann dir und deinem Baby helfen, mit gutem Kreislauf und vor allem mit großer Freude auf die Geburt durch den Sommer zu starten.

Geburt bei 36 Grad

Auch bei großer Hitze ist eine sichere Geburt möglich. Frauenarzt Dr. Richard Krüger erklärt, welche Unterstützung es für Gebärende bei hohen Temperaturen gibt.

Textversion des Videos "Geburt bei 36 Grad"

[Richard Krüger]

Geburt bei 36 Grad im Schatten, das klingt eigentlich wie ein Albtraum, oder? 

Es gibt aber echt gute Möglichkeiten, wie wir dich in den Kliniken dabei unterstützen können, dein Kind auch trotz heißer Temperaturen ohne Probleme zur Welt zu bringen.

Einige Kliniken haben bereits richtige Klimaanlagen, ansonsten besteht die Möglichkeit über Ventilationssysteme, einen kühlen Waschlappen deine Körpertemperatur in ein angenehmes Maß runterzukühlen.

Darüber hinaus ist die alles entscheidende Maßnahme trinken, trinken, trinken, trinken.

Wenn dir das schwerfällt, ist es natürlich auch jederzeit möglich, eine Infusion in der Klinik zu erhalten. 

Dein Partner oder deine Begleitperson sollte ebenfalls eingebunden werden, um während der Geburt dir Flüssigkeit zu reichen, die Lippen vielleicht zu befeuchten.

Hierbei können auch Facial Sprays oder beispielsweise sehr luftige Kleidung helfen, um einfach dein Kühlsystem körpereigen zu unterstützen.

Informationsmaterial zum Download

Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ): Patienteninformationen Hitze

UKE Hamburg: Broschüre Hitzebelastung und Schwangerschaft

UKE Hamburg: Video Hitzebelastung und Schwangerschaft

Umweltbundesamt: Der Hitzeknigge. Tipps für das richtige Verhalten bei Hitze.

KBV: Hitze und Gesundheit - Was Sie an heißen Tagen beachten sollten