Für Millionen Frauen in Deutschland gehört der regelmäßige Besuch in der frauenärztlichen Praxis selbstverständlich zur Gesundheitsversorgung. Das könnte nach dem vorliegenden Entwurf für das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz künftig schwieriger werden. Hintergrund sind die geplanten Sparmaßnahmen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Zukünftig sollen auch für bisher unbegrenzt zur Verfügung stehende Vorsorgeleistungen feste Ausgabenobergrenzen gelten. Die Folgen werden längere Wartezeiten, weniger kurzfristige Termine und ein eingeschränkter Zugang zu wichtigen Untersuchungen sein.
Deshalb hat der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) die Petition „Frauengesundheit sichern“ beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestag eingereicht. Ziel ist ein klares Signal an die Politik: Frauengesundheit darf nicht zum Sparposten werden.
Sorge um die Versorgung von Millionen Frauen
Die von der Bundesregierung geplanten Einsparungen in der gesetzlichen Krankenversicherung könnten nach Einschätzung des BVF spürbare Folgen für die frauenärztliche Versorgung haben.
Die Zahl der Schwangerschaften und deren Betreuungsaufwand richtet sich nicht nach Ausgabenobergrenzen,
kommentiert BVF-Präsident Markus Haist.
Bei Unregelmäßigkeiten im Schwangerschaftsverlauf sind Folgeuntersuchungen notwendig und bei einem auffälligen Befund brauchen Frauen rasch Klarheit. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass sie in solchen Situationen schnell einen Termin bekommen. Genau dieser direkte und niedrigschwellige Zugang zur frauenärztlichen Versorgung darf nicht verloren gehen.
Nach Berechnungen des BVF könnten bundesweit bis zu 3,5 Millionen kurzfristige Termine pro Jahr betroffen sein.
Das betrifft Frauen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen:
- Schwangerenvorsorge – weil werdende Mütter auf eine verlässliche und engmaschige ärztliche Betreuung angewiesen sind
- Krebsfrüherkennung – weil organisiert vorgesehene Früherkennungsuntersuchungen dazu beitragen können, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und Leben zu retten. Dafür sind Einladungssysteme etabliert und Mittel für organisierte Früherkennungssysteme zur Verfügung gestellt worden
- Endometriose und chronische Schmerzen – weil gerade bei diesen Krankheitsbildern oder Beschwerden ausreichend Zeit zur Diagnostik, Befunderörterung und Therapie notwendig ist
- Wechseljahresbeschwerden – weil gerade in dieser Lebensphase eine kompetente und nicht finanziell und zeitlich begrenzte medizinische Begleitung wichtig ist
- Verhütungsberatung für junge Frauen – weil gute Beratung und die Vermeidung von Konfliktschwangerschaften Zeit, Vertrauen und Erreichbarkeit braucht
Frauenärztliche Versorgung begleitet Frauen oft über viele Jahre hinweg. Eine verlässliche Betreuung hilft dabei, Erkrankungen früh zu erkennen und Beschwerden richtig einordnen und zu behandeln. Wer den Zugang zu dieser Versorgung erschwert, spart am falschen Ende,
sagt Dr. Frank Thieme, 2. Vorsitzender des BVF.
Die Petition: Frauengesundheit sichern
Mit der Petition fordert der BVF von der Politik klare Garantien für eine verlässliche Versorgung:
- Krebsfrüherkennungsuntersuchungen müssen dauerhaft ausreichend finanziert und damit gesichert bleiben
- Schwangerenvorsorge darf nicht unter Budgetdruck geraten
- Kurzfristige Termine müssen weiterhin möglich sein
- Frauenärztliche Praxen müssen als primäre Anlaufstellen gestärkt werden
Frauen müssen sich darauf verlassen können, dass sie medizinische Hilfe bekommen, wenn sie sie brauchen. Wer bei deren Versorgung spart, spart an der Gesundheit von Millionen Frauen. Frauengesundheit darf nicht zum Verlierer kurzfristiger Sparpolitik werden,
erklärt Dr. Cornelia Hösemann, 3. Vorsitzende des BVF.
Weitere Informationen zur Petition „Frauengesundheit sichern“ finden Sie online unter www.frauengesundheit-sichern.de. Während der Prüfung der Petition durch den Petitionsausschuss kann die Petition in teilnehmenden frauenärztlichen Praxen handschriftlich unterzeichnet werden. Eine Online-Unterzeichnung ist nach Veröffentlichung durch den Petitionsausschuss möglich.
