Pressemitteilung

BVF betont zum Welttag des alkoholgeschädigten Kindes am 9. September 2026: Nur 0,0 Promille Alkohol ist in der Schwangerschaft wirklich sicher

Bier, Sekt und sogar Wein, das alles gibt es mittlerweile auch als alkoholfreie Variante. Doch kaum einer weiß: Auch Getränke, die bis zu 0,5 Vol.-% Restalkohol enthalten, dürfen als „alkoholfrei" deklariert werden. Für Schwangere kann dieser Irrtum Folgen haben. Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) betont deshalb zum Welttag des alkoholgeschädigten Kindes am 9. September 2026: In der Schwangerschaft gilt nur ein Wert als sicher, und zwar null Promille.

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In Deutschland dürfen als alkoholfrei ausgelobte Getränke bis zu 0,5 Volumenprozent Restalkohol enthalten, ohne dass dies auf dem Etikett stehen muss. Das gilt etwa für alkoholfreies Bier, Malzbier und für alkoholfreien Wein und Sekt, die Restalkohol enthalten können. Für Schwangere kann die Bezeichnung „alkoholfrei" irreführend sein, weil sie eben nicht automatisch bedeutet, dass gar kein Alkohol enthalten ist. (1)

Warum schon geringe Mengen Alkohol gefährlich sind

In der Schwangerschaft ist das relevant, weil bereits geringe Mengen Alkohol über die Plazenta direkt zum Fötus gelangen können. Dieser ist dem Zellgift schutzlos ausgeliefert: Die noch nicht entwickelte Leber des ungeborenen Kindes kann den Alkohol nicht abbauen, sodass er im kindlichen Körper verbleibt und dort die Entwicklung von Gehirn, Organen und Nervensystem dauerhaft schädigen kann. Diese Schäden werden als fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD) bezeichnet. Das Argument, dass in als alkoholfrei deklariertem Bier, Wein oder Sekt nur eine sehr geringe Menge vorkommt, ist nicht valide, da medizinisch keine sichere, risikolose Alkoholmenge in der Schwangerschaft definiert werden kann.

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen Grenzwert für unbedenklichen Alkoholkonsum. Zum Schutz des ungeborenen Kindes sollten Schwangere keinen Alkohol zu sich nehmen. Das gilt für Alkohol in jeder Form, in jeder Dosierung und zu jeder Zeit der Schwangerschaft, 

erklärt Frauenärztin und Perinatologin Priv.-Doz. Dr. med. Manuela Tavares de Sousa, Expertin für Perinatalmedizin beim BVF.

So erkennen Schwangere Restalkohol

Der BVF rät Schwangeren, bei als „alkoholfrei" ausgelobten Getränken und Lebensmitteln genau hinzuschauen: Ein Blick auf das Etikett zeigt, ob der Zusatz „(<0,5 % vol.)" oder eine vergleichbare Angabe vermerkt ist. Im Restaurant oder beim Einkauf gilt: Im Zweifel nachfragen. Wer sichergehen möchte, greift zu Produkten mit ausgewiesenen 0,0 Prozent oder verzichtet auf Alternativen, deren Alkoholgehalt nicht eindeutig deklariert oder zu erkennen ist.

FASD als Folge von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft

Noch immer werden jedes Jahr tausende Kinder mit alkoholbedingten Schädigungen geboren (2) – obwohl diese zu 100 Prozent vermeidbar wären. Studien zeigen, dass Alkoholkonsum in der Schwangerschaft auch in Deutschland weiterhin vorkommt. Je nach Erhebungsmethode und Definition reichen die ermittelten Anteile von rund 14 bis knapp 28 Prozent. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. (2–4) Und das, obwohl Alkohol als Zell- und Nervengift nahezu alle Organsysteme beeinflusst. Er erhöht das Risiko für Leberschäden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen und psychische Störungen. Bereits geringe Mengen können die Reaktionsfähigkeit, Impulskontrolle und geistige Leistungsfähigkeit einschränken.

Für Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben, kann der Konsum lebenslange Folgen haben: Sie reichen von Verhaltensauffälligkeiten bis zu körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Das Fetale Alkoholsyndrom (FAS) gilt dabei als die schwerste Form dieser Schädigung, die unter FASD zusammengefasst sind. (5)

Betroffene Kinder leiden häufig unter Lernproblemen, Konzentrationsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Erkrankungen – mit Auswirkungen auf Schulalltag, Sozialleben und Lebensqualität. Doch auch außerhalb einer klinischen FASD-Diagnose kann Alkohol in der Schwangerschaft zahlreiche weitere Schäden verursachen, darunter:

•    Erhöhtes Risiko für Fehl- oder Frühgeburten
•    Herzfehler, Nierenanomalien, Wachstumsstörungen
•    Stillprobleme und Entwicklungsverzögerungen im Säuglingsalter
•    Epigenetische Veränderungen, die den kindlichen Stoffwechsel langfristig beeinflussen können

Mythen halten sich hartnäckig

Trotz eindeutiger wissenschaftlicher Erkenntnisse halten sich Mythen: Ein Glas sei unbedenklich, später in der Schwangerschaft unproblematisch oder manche Getränke harmloser. Die S3-Leitlinie zu FASD (5) sowie der gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit erstellte Beratungsleitfaden (6) widersprechen klar: Es gibt keine sichere Dosis, keine ungefährliche Phase und kein unproblematisches Getränk. Der BVF unterstützt daher die frühzeitige Aufklärung von Frauen und ihrem Umfeld bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft.

Der Verzicht auf Alkohol in der Schwangerschaft sollte selbstverständlich sein, statt erklärt oder verteidigt werden zu müssen. Dafür braucht es mehr als ärztliche Aufklärung im Einzelgespräch, es braucht noch mehr gesellschaftliche Aufklärung. Es kommt selten vor, dass informierte Schwangere mit Absicht Alkohol konsumieren. FASD ist zu 100 Prozent vermeidbar. Voraussetzung ist vollständiger Verzicht auf Alkohol in Schwangerschaft und Stillzeit,

betont Dr. Cornelia Hösemann, niedergelassene Frauenärztin und Vorstandsmitglied des BVF. 

BVF informiert auf Social Media

Der BVF sensibilisiert auf den Social-Media-Kanälen seiner Kampagne "Schwanger mit dir" anlässlich des Welttags des alkoholgeschädigten Kindes ebenfalls für die Thematik. Im Videointerview erklärt Frauenärztin und Perinatalmedizinerin Priv.-Doz. Dr. med. Manuela Tavares de Sousa, dass „alkoholfrei" nicht ohne Alkohol bedeutet und für die Schwangerschaft nur Getränke mit 0,0 Prozent Alkohol als sicher gelten.

Quellen und weitere Informationen:

(1) Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Wo überall Alkohol in Lebensmitteln steckt – neun „alkoholfreie“ Lebensmittel mit Alkohol.
(2) Kraus L, Seitz N-N, Shield KD et al.: Quantifying harms to others due to alcohol consumption in Germany: a register-based study. BMC Medicine 2019; 17: 59.
(3) Bergmann KE, Bergmann RL, Ellert U et al.: Perinatale Einflussfaktoren auf die spätere Gesundheit. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2007; 50: 670–676.
(4) Adler J, Rissmann A, Kropf S et al.: Estimated Prevalence of Harmful Alcohol Consumption in Pregnant and Nonpregnant Women in Saxony-Anhalt (NorthEast Germany) Using Biomarkers. Alcoholism: Clinical and Experimental Research 2021; 45: 819–827.
(5) Gesellschaft für Neuropädiatrie: S3-Leitlinie Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD) bei Kindern und Jugendlichen – Diagnostik & Intervention. 4. Auflage, AWMF-Registernummer 022-025; 2025.
(6) Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Alkoholfrei in der Schwangerschaft. Leitfaden für die Beratung Schwangerer zum Alkoholverzicht.
(7) Netzwerk Gesund ins Leben: Alkohol vor und in der Schwangerschaft – Handlungsempfehlungen. Stand: 6. Juli 2026.