Pressemitteilung

BVF erinnert zum Aktionstag gegen den Schmerz: Frauen müssen Unterleibsschmerzen nicht aushalten – Ursachen abklären lassen

Schmerzen vor oder während der Regelblutung, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Brennen oder Stechen im Intimbereich, immer wiederkehrende Unterbauchschmerzen: Viele Patientinnen kennen solche Beschwerden, oft auch über Monate hinweg. Nicht immer steckt eine schwere Erkrankung dahinter. Aber wenn Schmerzen stark sind, regelmäßig über einen längeren Zeitraum auftreten oder den Alltag stark einschränken, sollten sie frauenärztlich abgeklärt werden und bei Bedarf multimodal therapiert werden.

istockphoto.com (c) LordHenriVoton

Anlässlich des bundesweiten Aktionstags gegen den Schmerz am 2. Juni weist der BVF darauf hin, dass chronische Unterbauchschmerzen ernst genommen, sorgfältig eingeordnet und individuell behandelt werden müssen. Der Aktionstag wird jährlich am ersten Dienstag im Juni von der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. ausgerichtet und soll Betroffene sowie Angehörige über Schmerz und Behandlungsmöglichkeiten informieren. (1)

Schmerzen sind ein wichtiges Signal

Schmerzen sind ein wichtiges Signal des Körpers. Auch wenn nicht immer eine schwere Erkrankung dahintersteckt, sollten diese ernst genommen werden. Unterleibsschmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Wir Frauenärztinnen und Frauenärzte sind häufig die erste Anlaufstelle bei Schmerzen im Unterleib oder im Intimbereich.

sagt Markus Haist, Präsident des BVF.

In der Frauenarztpraxis können Beschwerden fachlich eingeordnet, mögliche Warnzeichen erkannt und die nächsten diagnostischen oder therapeutischen Schritte eingeleitet werden – bei Bedarf auch in Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen. Grundlage dafür sind eine ausführliche Anamnese und die gynäkologische Untersuchung. Je nach individueller Situation können weitere Maßnahmen wie Ultraschall, Laboruntersuchungen oder Überweisungen zu spezialisierten Fachkolleginnen und Fachkollegen erforderlich sein. (2)

Endometriose: Viel mehr als „normale“ Regelschmerzen

Ein häufiges Beispiel für gynäkologisch relevante Schmerzsymptome stellt die Endometriose dar. Dabei siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter oder auch der Gebärmutterwand an. Typisch können starke Regelschmerzen sein, aber auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang.

Starke Regelschmerzen, die regelmäßig Schmerzmittel einfordern, zu Fehlzeiten in Schule oder Arbeit führen oder das soziale Leben stark einschränken, sollten nicht einfach hingenommen werden. Nicht jede schmerzhafte Regelblutung ist eine Endometriose. Aber sie ist ein sehr guter Grund, das Gespräch in der frauenärztlichen Praxis zu suchen.

so Haist.

Auch andere gynäkologische Erkrankungen können mit wiederkehrenden Schmerzen verbunden sein, etwa Adenomyose, Myome, Ovarialzysten, Verwachsungen nach Operationen oder entzündliche Erkrankungen im kleinen Becken. Die aktuelle Leitlinie zur Endometriose betont daher auch die Bedeutung einer strukturierten Diagnostik und individuell angepassten Therapie. (3)

Vulvodynie: Wenn Berührung, Sitzen und Sexualität schmerzhaft sind

Weniger bekannt, für Betroffene aber oft sehr belastend, ist die Vulvodynie. Gemeint sind anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen im Bereich der Vulva, also des äußeren weiblichen Genitals. Die Beschwerden können sich als Brennen, Stechen, Wundheitsgefühl oder Schmerz bei Berührung äußern. Manche Patientinnen verspüren Schmerzen beim Sitzen, Radfahren, enger Kleidung, bei Tampongebrauch oder beim Geschlechtsverkehr. (4)

Solche Beschwerden sollten nicht tabuisiert werden: Sie sollten frauenärztlich abgeklärt werden, um auch Infektionen, Hauterkrankungen, hormonelle Schleimhautveränderungen, Beckenbodenprobleme oder andere Ursachen abzuklären. Je nach Befund sind unterschiedliche Behandlungen denkbar: gynäkologische Therapie, gezielte Physiotherapie, Schmerztherapie, gezielte Nervenblockaden (5), Hautbehandlung oder sexualmedizinische Beratung. (6)

Chronischer Unterbauchschmerz: Differentialdiagnostisches Vorgehen

Von chronischem Unterbauchschmerz spricht man, wenn Schmerzen im kleinen Becken über längere Zeit bestehen oder immer wieder auftreten. Die Ursachen können gynäkologisch sein, aber auch mit Blase, Darm, Beckenboden, Nerven, Muskeln oder früheren Operationen zusammenhängen. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen. (7)

Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Weinschenk, Oberarzt und Leiter der Gynäkologischen Schmerzambulanz der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, betont die Bedeutung einer sorgfältigen frauenärztlichen Untersuchung:

Chronische Unterbauchschmerzen lassen sich oft nicht mit einer einzigen Untersuchung erklären. Umso wichtiger ist die genaue Anamnese, die systematische Erfassung von Beschwerden und die klinische Untersuchung. Gerade die frauenärztliche Tastuntersuchung liefert hier entscheidende Hinweise, um Ursachen für die Schmerzen zu finden und eine passende Therapie einzuleiten.*

Was Patientinnen für den Termin in der Praxis vorbereiten können

Für das Gespräch in der frauenärztlichen Praxis können Betroffene einige Wochen lang ihre Beschwerden genau dokumentieren:

  • Wann treten die Schmerzen auf?
  • Besteht ein Zusammenhang mit der Menstruation, Sexualität, Wasserlassen, Stuhlgang, Bewegung oder Stress?
  • Wie stark sind die Schmerzen?
  • Welche Medikamente oder Maßnahmen helfen?
  • Gibt es Blutungsstörungen, Ausfluss, Fieber, Verdauungsbeschwerden oder Blasenbeschwerden?

Ein solches Schmerz- und Symptomtagebuch macht oftmals Muster erkennbar und gibt erste Hinweise auf eine Diagnostik oder Therapie.

Markus Haist betont: 

Frauen müssen Unterbauchschmerzen in keinem Fall aushalten. Das ist ein gesellschaftlicher Irrglaube, der sich leider über Generationen hinweg gehalten hat. Wir betonen das immer wieder: Bei anhaltenden Schmerzen unbedingt das Gespräch in der frauenärztlichen Praxis suchen. Und bei akut auftretenden, starken Unterbauchschmerzen, Schmerzen mit Fieber, Kreislaufbeschwerden oder ungewöhnlicher Blutung, unverzüglich ärztlich abklären lassen.

* In der aktuellen Ausgabe des Verbandsmagazin FRAUENARZT 5/2026 beschreiben Dr. Weinschenk und Kollegen die Bedeutung der gynäkologischen Tastuntersuchung beim chronischen Unterbauchschmerz und ordnet sie als wichtigen klinischen Baustein in der Diagnostik ein.

Quellen und weiterführende Informationen:

(1) https://www.schmerzgesellschaft.de/topnavi/bewusstsein-schaffen/aktionstag 
(2) https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aktuelles/meldung/schmerzhafte-regelblutungen-und-wiederkehrende-starke-schmerzen-im-unterleib-frauenaerztlich-abklaeren 
(3) https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-045 
(4) https://iusti.org/wp-content/uploads/2022/04/epub-vulval-conditions.pdf 
(5) S. Weinschenk et al: „Fallbericht: Therapie der Vulvodynie mit Lokalanästhetika“ in FRAUENARZT, 2024, Heft 06.
(6) Vgl. W. Mendling et al: „Vulvodynie – ein brennendes Problem“ in FRAUENARZT, 2024, Hefte 09, 10 und 12.
(7) https://register.awmf.org/assets/guidelines/016-001l_S2k_Chronischer_Unterbauchschmerz_Frau_2023-04.pdf 

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