Sexuelle Gesundheit wird oft allein mit dem Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen, kurz STI (sexually transmitted infection), gleichgesetzt. Doch auch körperliches Wohlbefinden und die psychische Verfassung prägen, wie Sexualität erlebt wird. (1) Darauf machen der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) und die Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG) zum Welttag der sexuellen Gesundheit unter dem Motto „Every Body“ aufmerksam. Der BVF und die DSTIG erklären, worauf bei STI zu achten ist, welche weiteren sexuellen Beschwerden auftreten können, und ermutigt Betroffene diese frühzeitig und ohne Scham in der Frauenarztpraxis anzusprechen und abklären zu lassen.
STI nehmen in allen Altersgruppen zu
STI nehmen seit Jahren zu und erreichten 2024 laut ECDC in Europa einen Rekordwert. (2) Auch in Deutschland meldete das Robert Koch-Institut 2024 einen Höchststand bei den Syphilis-Fällen. (3) Besonders auffällig: Zwar sind junge Menschen häufiger betroffen, doch auch bei den über 60-Jährigen stieg die Zahl der gemeldeten Fälle. Die höchsten Fallzahlen werden bei Männern verzeichnet, doch auch bei heterosexuellen Frauen nehmen STI zu. Eine höhere Scheidungsrate, Online-Dating und die wegfallende Sorge vor einer ungewollten Schwangerschaft werden als mögliche Gründe dafür diskutiert, dass Frauen auch im höheren Alter häufiger (auch ungeschützt) sexuell aktiv sind. (4) Umso wichtiger sind eine gute Aufklärung und ein selbstverständlicher Umgang mit dem Thema STI.
Sexuell übertragbare Infektionen: Schutz und Früherkennung sind entscheidend
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Risiko einer STI zu verringern. So schützen Kondome und Femidome vor einer HIV-Infektion und verringern das Risiko einer Ansteckung mit anderen STI. Für Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko stehen zudem Medikamente zur Vorbeugung einer Infektion zur Verfügung; entsprechende Möglichkeiten gibt es auch bei Syphilis und Chlamydien. Gegen einige STI gibt es Impfungen, etwa gegen Hepatitis A und B. Eine HPV-Impfung idealerweise vor dem ersten Sex beugt unter anderem Genitalwarzen sowie Gebärmutterhalskrebs und weiteren Krebsarten vor. STI-Tests, die vorsorglich gemacht werden, tragen außerdem dazu bei, Infektionen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln und ihre Weitergabe zu verhindern. (6)
Bei Verdacht auf STI gezielt untersuchen
Brennen beim Wasserlassen, Juckreiz, Hautveränderungen, ungewöhnlicher Ausfluss, Zwischenblutungen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können auf eine STI hinweisen. Viele dieser Beschwerden sind jedoch nicht eindeutig und sollten immer auch frauenärztlich abgeklärt werden. Ein Großteil der STI verläuft häufig ganz ohne erkennbare Symptome. Das gilt etwa für Chlamydien (5), HPV oder Gonorrhö. Besteht der Verdacht auf eine STI, klären Frauenärztinnen und Frauenärzte im vertraulichen Gespräch zunächst Beschwerden, Sexualkontakte und mögliche Expositionen ab, legen den richtigen Testzeitpunkt fest und leiten eine gezielte Behandlung ein.
Ein STI-Test ist kein Anlass für Scham und auch kein Misstrauensvotum gegenüber einem Partner oder einer Partnerin. STI können jeden sexuell aktiven Menschen jeden Alters betreffen und teilweise sehr lange unbemerkt bleiben. Viele Menschen unterschätzen ihr persönliches Risiko, sich mit einer STI anzustecken, deutlich. Wer Veränderungen bemerkt oder sich nach einer möglichen Ansteckung unsicher ist, sollte sich deshalb beraten und gezielt testen lassen. Die meisten STI lassen sich gut behandeln, wenn sie rechtzeitig erkannt werden,
so Prof. Dr. Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft e. V. (DSTIG).
Aber: Nicht jede sexuelle Beschwerde ist eine Infektion
Bleibt ein STI-Test negativ, sind die Beschwerden deshalb weder eingebildet noch medizinisch bedeutungslos. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Libidoverlust oder eine unwillkürliche Abwehr gegen eine Penetration können körperliche oder psychische Ursachen haben. Meist wirken hier mehrere Faktoren zusammen:
Wenn eine Infektion ausgeschlossen ist, lassen sich sexuelle Beschwerden selten eindeutig auf den Körper oder die Psyche zurückführen. Schmerzen können Angst und Anspannung auslösen, wodurch sich die Beckenbodenmuskulatur weiter verkrampft und die Beschwerden verstärkt werden. Umgekehrt können hormonelle Veränderungen z.B. in den Wechseljahren oder nach Schwangerschaften, Erkrankungen oder belastende Erfahrungen, wie etwa ein unerfüllter Kinderwunsch, das sexuelle Erleben erheblich beeinflussen. In der Sexualmedizin erfassen wir diese Wechselwirkungen deshalb systematisch, um gemeinsam mit der Patientin einen individuellen Behandlungsweg zu entwickeln,
erklärt Dr. Cornelia Friedrich, niedergelassene Frauenärztin und Sexualmedizinerin sowie Mitglied der AG Sexualmedizin des BVF.
Hilfe für Betroffene: Beratung und Behandlung in der Frauenarztpraxis
Die frauenärztliche Sprechstunde ist eine wichtige Anlaufstelle: Bei Verdacht auf eine STI erfolgt eine gezielte Beratung und passende Abstrich-, Urin- oder Blutuntersuchungen. Außerdem können dort körperliche Ursachen untersucht und mögliche psychische oder partnerschaftliche Einflussfaktoren behutsam angesprochen werden. Je nach Befund kommen medizinische Behandlungen, Beckenbodenphysiotherapie oder eine sexualmedizinische bzw. psychotherapeutische Begleitung in Frage.
Dr. Friedrich macht deutlich:
Sprechen Sie Ihre Frauenärztin bzw. Ihren Frauenarzt gerne auf Beschwerden an. Schweigen Sie nicht aus Scham, tragen Sie die Belastung nicht mit sich herum. Wir bieten in der frauenärztlichen Praxis einen geschützten Raum, um Ursachen zu klären und passende Unterstützung zu finden.
Diese Pressemeldung ist das gemeinsame Anliegen des BVF und der DSTIG.
Über den Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e. V. (BVF)
Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e. V. (BVF, www.bvf.de) ist mit rund 14.000 Mitgliedern einer der größten ärztlichen Berufsverbände in Deutschland. Er vertritt mit seinen 17 Landesverbänden seit 75 Jahren die wirtschaftlichen und standespolitischen Interessen seiner Mitglieder bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, den Kassenärztlichen Vereinigungen, der Bundesärztekammer, den Landesärztekammern, den Kostenträgern sowie in Politik und Wirtschaft, internationalen Organisationen und der Öffentlichkeit. Der BVF verfolgt hierfür gesundheitspolitisch relevante Vorgänge auf deutscher sowie auch auf europäischer Ebene und setzt sich für die standespolitischen Anliegen, Forderungen und Belange seiner Mitglieder ein.
Über die Deutsche STI-Gesellschaft e. V. (DSTIG)
Die Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG, www.dstig.de) versteht sich als aktive medizinische Fachgesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kenntnisse über sexuell übertragbare Infektionen zu gewinnen und zu verbreiten. Die DSTIG bringt unterschiedliche Fachdisziplinen zusammen: die Gynäkologie, Urologie, Dermatologie, Psychologie, Epidemiologie, Sozialwissenschaft, den Bereich “Public Health”, sowie viele weitere Berufsgruppen. Wir arbeiten in Praxis, Klinik und Forschung, im öffentlichen Gesundheitswesen und bei Nichtregierungsorganisationen. Die DSTIG informiert über Prävention, Forschung und Behandlung sexuell übertragbarer Infektionen. Sie fördert den wissenschaftlichen Austausch und organisiert Fortbildungsmaßnahmen.
Quellen und weitere Informationen:
(1) https://www.worldsexualhealth.net/post/world-sexual-health-day-2026-theme-every-body
(2) https://www.ecdc.europa.eu/en/news-events/bacterial-stis-reach-record-highs-europe-congenital-syphilis-cases-nearly-double
(3) https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/12992.3/EB-39-2025_10-25646-13461-3.pdf
(4) https://idw-online.de/de/news832903
(5) https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/chlamydien
(6) https://gesund.bund.de/sexuell-uebertragbare-infektionen-sti
(7) https://www.liebesleben.de/fuer-alle/sexuell-uebertragbare-infektionen/sti-verbreitung/
