GBCOG-Mitteilungen Pressemitteilung

Nationaler Aktionstag Frauengesundheit: DGGG und BVF benennen zentrale Herausforderungen in der Versorgung von Frauen

Anlässlich des Nationalen Aktionstags Frauengesundheit am 28. Mai machen die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) auf zentrale Herausforderungen und Handlungsfelder in der gesundheitlichen Versorgung von Frauen aufmerksam.

Frauen durchlaufen unterschiedliche Lebensphasen mit jeweils eigenen gesundheitlichen Anforderungen. Umso wichtiger ist eine verlässliche, evidenzbasierte und wohnortnahe Versorgung in Prävention, Diagnostik, Therapie und Beratung.

Schwangerenvorsorge, Krebsfrüherkennung und Prävention dürfen nicht zur Verhandlungsmasse gesundheitspolitischer Reformen werden. Sie sind Kernleistungen der frauenärztlichen Versorgung und entscheidend für die Gesundheit von Frauen und Familien. Wer Versorgung langfristig sichern will, muss frauenärztliche Praxen strukturell und finanziell so ausstatten, dass Prävention, Früherkennung und eine engmaschige Begleitung in der Schwangerschaft überall erreichbar bleiben,

sagt Markus Haist, BVF-Präsident. 

Eine verlässliche gynäkologische und geburtshilfliche Versorgung ist ein zentraler Bestandteil der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Dafür brauchen wir stabile klinische Strukturen – von einer patientinnenorientierten Geburtshilfe bis hin zu flächendeckend zugänglichen zertifizierten Krebszentren. Medizinische Qualität, interdisziplinäre Zusammenarbeit und wohnortnahe Versorgung müssen auch im Rahmen gesundheitspolitischer Reformen nachhaltig gesichert werden,

sagt Prof. Dr. Gert Naumann, DGGG-Präsident. 

Die DGGG und der BVF sehen insbesondere in folgenden Bereichen dringenden Handlungsbedarf:

Wechseljahre stärker berücksichtigen

Die zunehmende öffentliche und politische Aufmerksamkeit für die Wechseljahre werten wir als wichtigen Schritt. Beschwerden im Zusammenhang mit den Wechseljahren müssen als eigenständige medizinische Herausforderung verstanden und evidenzbasiert behandelt werden. Damit verbunden ist der Auftrag, Versorgung, Forschung und therapeutische Standards strukturell weiterzuentwickeln.

Endometriose stärker berücksichtigen

Endometriose betrifft viele Frauen und rückt zunehmend in den öffentlichen Fokus. Ziel muss es sein, Diagnostik, Therapie und Forschung evidenzbasiert weiterzuentwickeln und bestehende Versorgungsstrukturen gezielt zu stärken. Dabei ist es wichtig, Endometriose nachhaltig in Versorgung und Forschung strukturell zu verankern.

Frauengesundheit braucht eine Medizin, die die spezifischen gesundheitlichen Herausforderungen von Frauen konsequent berücksichtigt. Das Beispiel Endometriose zeigt, dass viele Erkrankungen und Beschwerden von Frauen noch immer zu spät erkannt werden. Es ist entscheidend, evidenzbasierte Versorgungskonzepte weiterzuentwickeln und dauerhaft in unserem Gesundheitssystem zu verankern,

sagt Prof. Dr. Barbara Schmalfeldt, 2. Vizepräsidentin der DGGG. 

Strukturelle Voraussetzungen in der Geburtshilfe sichern

Eine Geburt ist zunächst ein natürlicher Vorgang, bei dem aber jederzeit akute Notfälle auftreten können, welche Gesundheit und Leben von Mutter und Kind bedrohen. Die kontinuierliche Verfügbarkeit fachärztlicher geburtshilflicher und pädiatrischer Hilfe ist hier eine Sicherheitsmaßnahme, welche menschliche Katastrophen zu vermeiden hilft. Eine unmittelbare pädiatrische Versorgung ist in vielen Geburtskliniken derzeit nicht gegeben. Nur auf jede zweite geburtshilfliche Abteilung kommt eine pädiatrische Abteilung. In vielen hebammengeleiteten Geburtseinrichtungen fehlt sowohl die fachärztliche geburtshilfliche Anwesenheit als auch die pädiatrische Verfügbarkeit. Dabei wird bei jeder zweiten Geburt in hebammengeleiteten Kreißsälen das Eingreifen eines ärztlichen Geburtshelfenden erforderlich. Durch eine auskömmliche Finanzierung und verlässliche Versorgungsstrukturen muss eine flächendeckende und sichere Geburtshilfe auch künftig gewährleistet bleiben. Die Einrichtung hebammengeleiteter Kreißsäle in Geburtskliniken anstelle außerklinischer Geburtshäuser sichert eine hebammengeleitete natürliche Geburt und gewährleistet zugleich die unmittelbare Verfügbarkeit fachärztlicher Expertise in Notfällen.

Gynäkologische Krebszentren erhalten und stärken

Gynäkologische Krebszentren bündeln spezialisierte medizinische Expertise für die Behandlung von Krebserkrankungen bei Frauen. Die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit verbessert nachweislich die Behandlungsqualität und die Versorgungssicherheit für Patientinnen. Diese etablierten Strukturen müssen auch im Rahmen zukünftiger Krankenhausreformen erhalten und gestärkt werden.

Präeklampsie-Screening als Vorsorgeleistung ermöglichen

Die Präeklampsie gehört weiterhin zu den Hauptursachen für Frühgeburtlichkeit und schwere gesundheitliche Komplikationen in der Schwangerschaft. Ein frühzeitiges Screening kann Risikopatientinnen zuverlässig identifizieren und schwere Verläufe deutlich reduzieren. Ziel muss es sein, allen Schwangeren einen niedrigschwelligen Zugang zu dieser wichtigen Vorsorgeleistung zu ermöglichen.

Krebsfrüherkennung und Prävention langfristig sichern

Gynäkologische Krebsfrüherkennung und Präventionsangebote tragen entscheidend dazu bei, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und Heilungschancen deutlich zu verbessern. Frauenärztliche Praxen übernehmen hierbei eine zentrale Rolle in der wohnortnahen Versorgung. Präventionsleistungen müssen deshalb auch künftig verlässlich zugänglich, strukturell abgesichert und nachhaltig finanzierbar bleiben – auch vor dem Hintergrund aktueller gesundheitspolitischer Reformdiskussionen.

Schwangerenvorsorge in der frauenärztlichen Praxis sichern

Eine verlässliche und wohnortnahe Schwangerenvorsorge ist zentral für die Gesundheit von Mutter und Kind. Regelmäßige frauenärztliche Vorsorgeuntersuchungen ermöglichen es, Risiken frühzeitig zu erkennen und Schwangerschaften sicher zu begleiten. Frauenärztliche Praxen übernehmen hierbei die tragende Rolle in der Versorgung. Um auch künftig eine flächendeckende Betreuung sicherzustellen, müssen die strukturellen und finanziellen Voraussetzungen – auch vor dem Hintergrund aktueller Reformdiskussionen im Gesundheitswesen – nachhaltig gesichert werden.

Impfprävention in der Frauenheilkunde stärken

Frauenärztinnen und Frauenärzte leisten einen wichtigen Beitrag zur Impfprävention über alle Lebensphasen hinweg. Dazu zählen insbesondere die HPV-Impfung, Impfungen in der Schwangerschaft sowie präventive Beratungsangebote im Rahmen der frauenärztlichen Betreuung. Impfprävention sollte weiterhin qualitätsgesichert, niedrigschwellig und eng in die gynäkologische Versorgung eingebunden bleiben.

Impfprävention ist ein zentraler Bestandteil der frauenärztlichen Versorgung. Gerade die HPV-Impfung und Impfungen in der Schwangerschaft zeigen, wie wirksam Prävention ist, wenn sie niedrigschwellig, qualitätsgesichert und verlässlich in die frauenärztliche Betreuung eingebunden bleibt,

sagt Dr. Cornelia Hösemann, 3. Vorsitzende des BVF. 


Frauengesundheit stärker in Forschung und Versorgung verankern

Viele Erkrankungen äußern sich bei Frauen anders als bei Männern oder betreffen Frauen in besonderer Weise. Dennoch werden geschlechterspezifische Unterschiede in Forschung, Diagnostik und Versorgung bislang häufig unzureichend berücksichtigt. Frauengesundheit muss daher strukturell stärker in medizinischer Forschung, Prävention und Versorgung verankert werden, um Patientinnen gezielter und evidenzbasierter behandeln zu können.

DGGG und BVF sehen im Nationalen Aktionstag Frauengesundheit die wichtige Chance, die hohe Bedeutung einer qualitätsgesicherten und wohnortnahen Versorgung von Frauen stärker in den gesellschaftlichen und politischen Fokus zu rücken und die bestehenden Versorgungsstrukturen langfristig zu stärken.

 

 

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