Die optimale menschliche Körpertemperatur liegt bei 37 Grad Celsius. Um dieses Niveau auch bei Hitze aufrechtzuerhalten, kühlt sich der Körper selbst: Er produziert Schweiß und transportiert warmes Blut von den Organen weg, hin zur Körperoberfläche, damit die Wärme dort abstrahlen kann. Diese Vorgänge verlangen dem Körper einiges ab: Beim Schwitzen verliert er Wasser und Elektrolyte, was zu Muskelkrämpfen, Erschöpfung und Kopfschmerzen führen kann. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck kann sinken, die Folgen können Schwindel und Kreislaufprobleme sein.
Warum Hitze für Frauen ein besonderes Risiko ist
Von hitzebedingten Gesundheitsrisiken sind vulnerable Gruppen wie Schwangere, Wöchnerinnen, chronisch kranke und ältere Patientinnen besonders betroffen, da ihr Körper über weniger Reserven verfügt, um mit der zusätzlichen Belastung hoher Temperaturen umzugehen,
erklärt Susanne Bechert, BVF-Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein und Mitglied der AG Gynäkologie bei KLUG (Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V.).
Studien deuten darauf hin, dass hohe Temperaturen und der daraus resultierende Hitzestress das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Frühgeburt, Totgeburt und niedriges Geburtsgewicht erhöhen (1). Im Wochenbett ist der Körper durch Blutverlust und Hormonumstellung geschwächt; bei stillenden Frauen ist das Risiko einer Dehydrierung erhöht. Im Alter arbeiten die Schweißdrüsen weniger effektiv, das Durstgefühl lässt nach, und das Herz-Kreislauf-System ist weniger flexibel. All das macht ältere Frauen anfälliger für die gesundheitlichen Folgen extremer Temperaturen.
Aber auch in anderen Lebensphasen sind Frauen stärker gefährdet: Zyklusbedingte hormonelle Veränderungen oder die Wechseljahre beeinflussen die Körpertemperatur und den Flüssigkeitsbedarf. Menstruationsbeschwerden können sich in Phasen extremer Hitze verstärken. In den Wechseljahren schwächen Schlafstörungen und Erschöpfung zusätzlich die Resilienz gegenüber Hitzewellen und auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme ist in dieser Zeit erhöht.
Frauenärztliche Praxen als Hitzeschutz-Multiplikatoren
Hitzeperioden führen in Deutschland regelmäßig zu einem Anstieg der Sterblichkeit. Im Jahr 2025 starben 2.500 Menschen an den Folgen extremer Temperaturen (2). Erhöhte Krankheitslast und vermehrte Krankenhauseinweisungen belasten das Gesundheitssystem in Hitzeperioden zusätzlich. Durch den Klimawandel werden Hitzewellen häufiger. Doch noch immer ist die Kompetenz der Bevölkerung, Hitzegefahren zu erkennen und gefährdete Personen zu schützen, unzureichend. Aus diesem Grund unterstützt der BVF auch in diesem Jahr wieder das breite Aktionsbündnis zum Hitzeschutztag am 11. Juni; ein von KLUG (Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V.) und der Bundesärztekammer initiiertes Bündnis aus rund 50 Akteuren (3).
Frauenärztinnen und -ärzte stehen in der Versorgung regelmäßig im engen Austausch mit Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen. Wir genießen großes Vertrauen und haben damit eine wichtige gesellschaftliche Multiplikatorenfunktion, die wir in der Aufklärung und Beratung vulnerabler Gruppen ernst nehmen müssen. Deshalb möchten wir unsere Kolleginnen und Kollegen ermutigen, diese Rolle insbesondere während der heißen Jahreszeit zu nutzen, um Risikopersonen und deren Angehörige über die Gefahren von Hitze und Hitzeschutz zu informieren und entsprechendes Informationsmaterial weiterzugeben,
betont Susanne Bechert.
Sicher durch die Hitzewelle – Tipps für Patientinnen
Frauen, die von hohen Temperaturen besonders belastet sind, können mit einigen gezielten Maßnahmen ihre Gesundheit schützen: ausreichend trinken, mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßte Getränke täglich, bei Hitze deutlich mehr. Direkte Sonne sollte besonders in den Mittagsstunden zwischen 11 und 15 Uhr gemieden werden; schattige Orte und kühle Räume bieten in dieser Zeit den besten Schutz. Leichte, helle Kleidung aus atmungsaktiven Materialien sowie das regelmäßige Kühlen von Handgelenken und Nacken mit feuchten Tüchern können zusätzlich Entlastung bringen.
Vor allem Schwangere sollten körperliche Anstrengung bei Hitze konsequent reduzieren, regelmäßig ihre Körpertemperatur im Blick behalten und bei anhaltenden Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Herzrasen umgehend ärztlichen Rat suchen. Konkrete Tipps und Empfehlungen zum Schutz vor Hitze in der Schwangerschaft bietet auch in diesem Jahr wieder die Schwangerenvorsorge-Kampagne „Schwanger mit dir": Ab dem Hitzeaktionstag am 11. Juni erscheinen in den Sommermonaten Juni, Juli und August auf den Social-Media-Kanälen der Kampagne neue und hilfreiche Inhalte für Patientinnen:
Webseite: https://schwanger-mit-dir.de/
Instagram: https://www.instagram.com/schwangermitdir
Weiterführende Informationen
Hilfreiches Informationsmaterial für Praxen und Patientinnen stellt der BVF auf dieser Unterseite zum Thema Hitzeschutz bereit: https://www.bvf.de/praxisinformationen/hitzeschutz
Positionspapier zur Krisenresilienz bei Extremhitze: https://hitzeaktionstag.de/wp-content/uploads/2026/06/Buendnis-Hitzeaktionstag-2026_Positionspapier-Krisenresilienz-bei-Extremhitze.pdf
(1) https://www.thelancet.com/journals/ebiom/article/PIIS2352-3964(23)00216-5/fulltext
(2) https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html
(3) https://hitzeaktionstag.de
(4) https://hitze.info/wp-content/uploads/2024/05/1_2021-06-Hitze-Infoblatt-Aerzte.pdf

