Besonders häufig erwarten die Befragten längere Wartezeiten, zunehmende Konflikte und höheren Erklärungsbedarf im Patientinnenkontakt, Einschränkungen bei der Krebsfrüherkennung, weniger Termine für GKV-Patientinnen und eine schlechtere Schwangerenvorsorge. Alle fünf Punkte werden von mehr als 80 Prozent der Befragten genannt.
Diese Sorge um die Versorgung trifft auf eine bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung. Aktuell beurteilen lediglich 9,38 Prozent der Befragten die wirtschaftliche Situation ihrer Praxis als eher oder sehr schlecht. Für die Zeit ab 2027 erwarten dagegen 88,48 Prozent eine deutliche wirtschaftliche Verschlechterung oder sogar eine Existenzgefährdung.
Die erwarteten Folgen schlagen sich bereits in den Überlegungen zur künftigen Praxisführung nieder. Besonders häufig genannt werden weniger GKV-Termine, längere Wartezeiten, eine höhere finanzielle Eigenbeteiligung der Patientinnen, geringere Investitionen sowie eine zurückhaltendere Personalplanung. Fast jede zweite Praxis erwägt zudem, den Versorgungsumfang zu reduzieren.
Auch die langfristige Perspektive ist alarmierend: 55,72 Prozent halten es für eher oder sehr wahrscheinlich, ihre vertragsärztliche Tätigkeit innerhalb der kommenden fünf Jahre aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu reduzieren oder zu beenden.
Markus Haist, Präsident des Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V.:
Die Befragung bildet Erwartungen ab und keine bereits eingetretenen Versorgungseffekte. Die Geschlossenheit der Antworten ist dennoch ein Warnsignal. Wenn mehr als vier von fünf Befragten Einschränkungen bei Krebsfrüherkennung und Schwangerenvorsorge erwarten und mehr als die Hälfte eine Reduzierung oder Beendigung der vertragsärztlichen Tätigkeit für wahrscheinlich hält, müssen diese Sorgen politisch ernst genommen werden.
Bei den notwendigen Gegenmaßnahmen ist das Meinungsbild ebenso deutlich. 96,12 Prozent nennen den Erhalt extrabudgetärer gynäkologischer Leistungen wie Krebsfrüherkennung, Schwangerenvorsorge und Impfleistungen als vorrangig. Zudem werden insbesondere eine auskömmliche Vergütung und die Berücksichtigung steigender Personal- und Sachkosten gefordert.
Wir hoffen, dass dieses deutliche Signal aus den Praxen auch in der öffentlichen Anhörung des Gesundheitsausschusses am 7. Oktober Gehör findet. Mit inzwischen 138.546 Mitzeichnungen sendet zugleich unsere Petition ‚Frauengesundheit sichern‘ ein ebenso klares Signal. Umfrage und Petition zeigen aus unterschiedlichen Perspektiven, wie groß die Sorge um die künftige ambulante frauenärztliche Versorgung ist. Der BVF wird beide in das weitere Petitionsverfahren und in die politischen Gespräche einbringen,
so Markus Haist.
Zur Umfrage
Die verbandsinterne Befragung fand vom 17. August bis 16. September 2026 statt. Insgesamt beteiligten sich 1.111 Frauenärztinnen und Frauenärzte, 1.018 beantworteten den Fragebogen vollständig. 99 Prozent der Teilnehmenden sind ganz oder teilweise in der ambulanten gynäkologischen Versorgung tätig, rund 92 Prozent als Praxisinhaberinnen oder Praxisinhaber. Die Befragung ist nicht repräsentativ. Die Zahl der gültigen Antworten kann je nach Frage variieren.
