Pressemitteilung

Drei von vier Schwangeren sind nicht gegen Grippe geimpft, obwohl die Impfung auch das Baby schützt

BVF und Projekt: Grippeschutz informieren über Influenza-Impfschutz in der Schwangerschaft: Die Impfquote in Deutschland ist zu niedrig. Lediglich 23 Prozent der Schwangeren waren in der Saison 2024/2025 gegen Grippe geimpft (1). Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e. V. (BVF) und das Projekt: Grippeschutz weisen zu Beginn der Impfsaison jetzt im Herbst deutlich auf das erhöhte Erkrankungsrisiko in der Schwangerschaft und den doppelten Nutzen der Grippeimpfung hin: Die Impfung senkt das Risiko schwerer Verläufe bei der werdenden Mutter und kann das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten vor Grippe schützen.

©Pornpak Khunatorn – istockphoto.com

Influenza in der Schwangerschaft: Erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe

Während der Schwangerschaft verändern sich das Immunsystem, die Atmung und das Herz-Kreislauf-System. Diese Veränderungen können schwere Verläufe einer Influenza-Erkrankung begünstigen. Schwangere mit einer Influenza-Erkrankung haben ein deutlich höheres Risiko, im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, als nicht schwangere Personen (2).

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die saisonale Influenza-Impfung für alle Schwangeren ab dem zweiten Trimenon. Schwangere, die gesundheitlich zusätzlich durch eine Grunderkrankung gefährdet sind, sollten bereits im ersten Trimenon geimpft werden. Zum Einsatz kommen in der Schwangerschaft zugelassene Totimpfstoffe, die gut erprobt und sicher sind (3).

Sorgen ernst nehmen: Impfberatung in der frauenärztlichen Praxis

Die Beratung zur Influenza-Impfung ist seit vielen Jahren in der Mutterschafts-Richtlinie verankert und gehört zur regulären frauenärztlichen Schwangerschaftsvorsorge (4). Neben der Aufklärung über den Nutzen der Impfung für die Schwangere und das Ungeborene spielen dabei auch die Bedenken und Fragen der werdenden Mütter eine große Rolle.

Viele Schwangere möchten sich nicht impfen lassen, weil sie fürchten, sich und vor allem ihrem Baby mit der Impfung zu schaden. Dabei ist die Datenlage, was die Risiko-Nutzen-Abwägung angeht, klar: Bei den empfohlenen Impfungen gibt es kein erhöhtes Risiko für Schwangere. Im Gegenteil verläuft die Grippe-Erkrankung in der Schwangerschaft schwerer und Neugeborene, die mit Influenza infiziert werden, werden oftmals schwerer krank. Deshalb ist die Impfung so wichtig. In der frauenärztlichen Praxis können Schwangere ihre Sorgen ansprechen und sich beraten lassen, 

erklärt Dr. Cornelia Hösemann, niedergelassene Frauenärztin, Mitglied im Beirat der Sächsischen Impfkommission des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und Vorstandsmitglied des BVF.

Wenn sich eine Schwangere gegen Influenza impfen lässt, bildet ihr Körper Antikörper, die über die Plazenta auch zum ungeborenen Kind gelangen. Mit nur einer Impfung schützt sie also nicht nur sich selbst, sondern gibt auch ihrem Kind einen Nestschutz für die ersten Lebensmonate. Studien zeigen, dass dieser Schutz das Influenza-Risiko des Kindes deutlich senken kann (5), 

erläutert Prof. Dr. Barbara Gärtner vom Projekt: Grippeschutz.

Der Herbst ist der empfohlene Zeitraum für die Grippeimpfung. Die Grippewelle erreicht ihren Höhepunkt meist zwischen Januar und März. Bis zum Aufbau des Impfschutzes vergehen etwa zehn bis vierzehn Tage. Schwangere, die noch nicht gegen Influenza geimpft sind, können sich über den Impfschutz in ihrer frauenärztlichen Praxis beraten lassen. Auch eine später nachgeholte Impfung kann sinnvoll sein (6).

Über den Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e. V.

Der BVF ist mit rund 14.000 Mitgliedern einer der größten ärztlichen Berufsverbände in Deutschland. Er vertritt mit seinen 17 Landesverbänden seit 75 Jahren die wirtschaftlichen und standespolitischen Interessen seiner Mitglieder bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, den Kassenärztlichen Vereinigungen, der Bundesärztekammer, den Landesärztekammern, den Kostenträgern sowie in Politik und Wirtschaft, internationalen Organisationen und der Öffentlichkeit. Der BVF verfolgt hierfür gesundheitspolitisch relevante Vorgänge auf deutscher sowie auch auf europäischer Ebene und setzt sich für die standespolitischen Anliegen, Forderungen und Belange seiner Mitglieder ein.

Weitere Informationen unter www.bvf.de

Über das Projekt: Grippeschutz

Das Projekt: Grippeschutz ist eine unabhängige Initiative medizinischer Experten mit dem Ziel, den Schutz der Bevölkerung in Deutschland vor Influenza nachhaltig zu verbessern. Die Expertengruppe setzt sich für höhere Impfquoten, einen niedrigschwelligen Zugang zur Grippeschutzimpfung sowie die Weiterentwicklung der nationalen Impfstrategie ein.

Weitere Informationen unter www.projektgrippeschutz.de

Quellen

(1) https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/50_25.pdf 
(2) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28024955 
(3) https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/Influenza/FAQ_Liste_Indikationsgruppen.html 
(4) https://www.g-ba.de/richtlinien/19/ 
(5) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40570349/ 
(6) https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/Influenza/FAQ_Liste_Impfempfehlung.html 

Weiterführende Informationen

Der Beitrag „Grippeschutz in der Schwangerschaft aktiv anbieten: Was gynäkologische Praxen für die Saison 2026/2027 jetzt vorbereiten sollten“ von Wahle, Gärtner und Weinke in der Novemberausgabe 2026 der Fachzeitschrift FRAUENARZT wird ausführliche medizinische Hintergründe, aktuelle Impfquoten und Empfehlungen für gynäkologische Praxen enthalten. Nach Erscheinen finden Sie den Beitrag hier: https://frauenarzt-archiv.de/mgof-xaveropp/frauenarzt/start.xav
Zusätzliche Daten und Informationen zur Influenza-Prävention bietet das Projekt: Grippeschutz mit seinem Grippereport zur Saison 2025/2026: https://www.projektgrippeschutz.de/common/pdf/260612_online_Grippereport_zur_Saison_2025_2026_Projekt_Grippeschutz.pdf