Pressemitteilung |

Earth Day 2026: Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. betont die Bedeutung von Umweltfaktoren für die Frauengesundheit

Umweltverschmutzung und Klimawandel zählen zu den größten Gesundheitsbedrohungen des 21. Jahrhunderts (1). Frauen und Schwangere sind davon besonders betroffen: Während der Schwangerschaft und in bestimmten Lebensphasen können sich Umwelt- und Klimafaktoren wie Hitze oder Luftbelastungen stärker auf den weiblichen Organismus und die kindliche Entwicklung auswirken (2-7). Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e. V. nimmt den Earth Day 2026 zum Anlass, frauengesundheitliche Aspekte von Umweltfragen stärker in den Blick zu nehmen, für eine stärkere Verknüpfung von Umwelt- und Gesundheitsthemen einzutreten und auf die Bedeutung der frauenärztlichen Beratung hinzuweisen.

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Umweltaspekte: Auswirkungen auf die Frauengesundheit

Umweltverschmutzung und der menschengemachte Klimawandel verändern die natürliche Lebensgrundlage und wirken sich damit auch auf zentrale Bereiche der sexuellen und reproduktiven Gesundheit aus, von der ersten Menstruation über Schwangerschaft und fetale Entwicklung bis hin zur Menopause sowie der langfristigen Gesundheit nachfolgender Generationen (2-7). Schwangere, Neugeborene und Kleinkinder sind aufgrund eingeschränkter Anpassungsmöglichkeiten besonders vulnerable Gruppen (8,9). 

So ist es etwa wissenschaftlich belegt, dass durch Hitzestress und Feinstaubbelastung aus Verbrennung fossiler Energieträger Schwangerschaftskomplikationen wie Tot- und Frühgeburten sowie Plazentationsstörungen mit fetaler Wachstumsrestriktion vermehrt auftreten (10): 

  • Für Mitteleuropa und Deutschland konnte ein Anstieg der Frühgeburtlichkeit um bis zu 16 % nachgewiesen werden (11,12). 
  • Hitzeexposition in der Frühschwangerschaft kann zu vermehrten Fehlbildungen, insbesondere kardiale Anomalien führen (8, 13–16). 
  • Feinstaubablagerungen können in der Plazenta sowie fetalen Organen wie Lunge, Leber und Gehirn nachgewiesen werden und hier vermutlich zellschädigenden und entzündliche Prozesse auslösen (16). 

Eine Schwangerschaft ist eine der sensibelsten Phasen im Leben einer Frau. Dass ausgerechnet in dieser Zeit Umweltbelastungen besonders wirksam werden können, macht deutlich, wie dringend wir dieses Thema angehen müssen,

sagt Susanne Bechert, Frauenärztin, BVF-Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein und Mitglied der Arbeitsgemeinschaften „Gynäkologie“ und „Rund um die Geburt“ der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG).

Frauenärztliche Praxis als vertrauensvolle Anlaufstelle

Gesundheitsbelastungen entstehen durch ein breites Spektrum an Umweltfaktoren – chemische Schadstoffe wie endokrine Disruptoren, Feinstaub, Mikroplastik und Pestizide, aber auch Strahlenbelastung, Lärm und psychischer Stress. Besonders problematisch ist die Summierung vieler kleiner Einzelbelastungen über längere Zeit. Frauenärztliche Praxen sind ein Schlüsselort für Umwelt- und Klimaprävention – niedrigschwellig, vertrauensvoll und lebensphasengerecht.

Frauenärztinnen und -ärzte begleiten ihre Patientinnen eng durch alle Lebensphasen und helfen dabei, individuelle Risiken einzuordnen und alltagstaugliche Maßnahmen zu besprechen, auch im Kontext wachsender ökologischer Herausforderungen. Sie sind dadurch oft die ersten, die umweltbedingte Gesundheitsrisiken erkennen. Bei Hitze etwa überwachen Frauenärztinnen und -ärzte Kreislaufbelastung, Flüssigkeitshaushalt und mögliche schwangerschaftsbedingte Komplikationen, insbesondere bei vulnerablen Gruppen wie Schwangeren, chronisch kranken, adipösen und älteren Frauen. 

Umwelt und Gesundheit gemeinsam denken

Der BVF setzt sich dafür ein, Umwelt- und Gesundheitsaspekte politisch und gesellschaftlich enger zu verknüpfen. Eine zentrale Grundlage dafür ist die gezielte Förderung von Forschung zu den Auswirkungen von Umweltfaktoren auf die reproduktive Gesundheit. Nur auf dieser Basis lassen sich wirksame Maßnahmen entwickeln, um Umweltbelastungen nachhaltig zu reduzieren. Dazu gehört auch die konsequente Einhaltung der gesetzlichen Klimaziele für 2030 und 2040.

Maßnahmen wie die Verbesserung der Luftqualität, der Schutz vor Hitze und Lärm, die Reduktion von Umweltgiften sowie soziale Unterstützung zur Stärkung der psychischen Gesundheit sind umzusetzen. Ergänzend spielt die Beratung zu einer gesundheitsfördernden Lebensweise eine zentrale Rolle, etwa durch ausgewogene Ernährung und mehr Bewegung im Alltag, beispielsweise zu Fuß oder mit dem Fahrrad. All diese Ansätze fördern nicht nur die individuelle Gesundheit, sondern tragen gleichzeitig zu einer nachhaltigeren und klimaschonenden Lebensweise bei (18).

Neue Prioritäten im Gesundheitsbereich und in der Gesellschaft zu schaffen, erfordert Mut und Ausdauer. Aber nur so können wir gemeinsam der Bedrohung durch die Klimakrise wirksam entgegentreten,

betont Susanne Bechert.

Hintergrund: Der Earth Day

Der Earth Day am 22. April ist der weltweit größte Umweltaktionstag. Seit seiner Gründung vor mehr als 50 Jahren in den USA hat er sich zu einer globalen Bewegung in 168 Ländern entwickelt. Getragen wird er von dem Aufruf, nicht nur einmal im Jahr, sondern im Alltag für Umwelt und Klima aktiv zu werden. Auch die Vereinten Nationen nutzen den Tag als Mahnung an die Staatengemeinschaft, sich verbindlich für zukunftsfähige Lösungen einzusetzen. In Deutschland engagiert sich seit 1994 das Deutsche Komitee von Earth Day International e.V. mit dem Schwerpunkt Umweltbildung und in der Überzeugung, dass Wissen die Grundlage für verantwortungsvolles Handeln ist (17).

Quellen und weitere Informationen

(1) WHO/Lancet Countdown Report, Oktober 2025
(2) Giudice LC, Llamas-Clark EF, DeNicola N, et. al.; FIGO Committee on Climate Change and Toxic Environmental Exposures. Climate change, women's health, and the role of obstetricians and gynecologists in leadership. Int J Gynaecol Obstet. 2021 Dec;155(3):345-356. doi: 10.1002/ijgo.13958.
(3) Rousseau C. Climate change and sexual and reproductive health: what implications for future research.
Sexual and Reproductive Health Matters. 2023;31:2232196. https://doi.org/10.1080/26410397.2023.2232196
(4) Canelón SP, Boland MR. A systematic literature review of factors affecting the timing of menarche: the potential for climate change to impact women's health. International Journal of Environmental Research and Public Health. 2020;17:1703. https://doi.org/10.3390/ijerph17051703 
(5) Cucinella L, Tiranini L, Nappi RE. Impact of climate and environmental change on the menopause
Maturitas. 2023;178:107825. https://doi.org/10.1016/j.maturitas.2023.107825

(6) Brink N, Lakhoo D, Solarin I, et al. Impacts of heat exposure in utero on long-term health and social outcomes: a systematic review. SSRN. 2023.
(7) Lakhoo DP, Blake HA, Chersich MF, et al. The effect of high and low ambient temperature on infant health: a systematic review. International Journal of Environmental Research and Public Health. 2022;19:9109. https://doi.org/10.3390/ijerph19159109 
(8) Syed S, O'Sullivan TL, Phillips KP. Extreme heat and pregnancy outcomes: a scoping review of the epidemiological evidence
International Journal of Environmental Research and Public Health. 2022;19:2412. https://doi.org/10.3390/ijerph19042412

(9) Böse-O'Reilly S, O'Reilly F, Roeßler C. Hitzebelastung bei Kindern. Monatsschrift Kinderheilkunde. 2023;171:124–129. https://doi.org/10.1007/s00112-022-01682-7
(10) Chersich MF, Pham MD, Areal A, et al. Associations between high temperatures in pregnancy and risk of preterm birth, low birth weight, and stillbirths: systematic review and meta-analysis
(11) Cox B, Vicedo-Cabrera AM, Gasparrini A, et al. Ambient temperature as a trigger of preterm delivery in a temperate climate. Journal of Epidemiology and Community Health. 2016;70:1191–1199. https://doi.org/10.1136/jech-2015-206384
(12) Yüzen D, Graf I, Tallarek AC, et al. Increased late preterm birth risk and altered uterine blood flow upon exposure to heat stress. eBioMedicine. 2023;93:104651.
(13) Samuels L, Nakstad B, Roos N, et al. Physiological mechanisms of the impact of heat during pregnancy and the clinical implications: review of the evidence from an expert group meeting. Int J Biometeorol. 2022;66:1505–1513.
(14) Ravanelli N, Casasola W, English T, et al. Heat stress and fetal risk. Environmental limits for exercise and passive heat stress during pregnancy: a systematic review with best evidence synthesis. Br J Sports Med. 2019;53:799–805.
(15) Rekha S, Nalini SJ, Bhuvana S, et al. Heat stress and adverse pregnancy outcome: prospective cohort study. BJOG. 2024;131:612–622.
(16) Bongaerts E, Lecante LL, Bové H, et al. Maternal exposure to ambient black carbon particles and their presence in maternal and fetal circulation and organs: an analysis of two independent population-based observational studies. Lancet Planetary Health. 2022;6:e804–e811.
(17) Earth Day Deutschland
(18) Positionspapier: „Klimakrise – was jetzt für Geburtshilfe und Frauengesundheit in Deutschland zu tun ist“

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