Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 106.000 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, hat sich die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche gegenüber dem Vorjahr mit -0,7 % leicht verringert, liegt im Vergleich zu 2015 jedoch um 6,5 % höher.
2025 wurden erstmals die meisten Schwangerschaftsabbrüche (45 %) mit dem Medikament Mifegyne durchgeführt, gefolgt von der Absaugmethode (Vakuumaspiration) mit 43 %, die bis 2024 am häufigsten angewandt wurde. 2015 lag der Anteil medikamentöser Abbrüche noch bei 19 % (+28 800 Fälle). Die Eingriffe erfolgten überwiegend ambulant, davon rund 86 % in Arztpraxen beziehungsweise OP-Zentren und 12 % ambulant im Krankenhaus. Ambulante Strukturen sind also der wichtigste Versorgungszweig.
49 % der Abbrüche wurden 2025 innerhalb der ersten sechs Wochen durchgeführt, 2015 waren es nur 36 %. Der Anteil der Abbrüche in der siebten bis elften Schwangerschaftswoche nahm im gleichen Zeitraum von 61 % auf 48 % ab. Schwangerschaftsabbrüche erfolgten 2025 also häufiger in früheren Schwangerschaftswochen als noch zehn Jahre zuvor.
Die Gesamtzahl der Schwangerschaftsabbrüche ist gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken, liegt aber weiterhin über dem Niveau der Jahre 2014 bis 2020. Aus der Statistik lassen sich keine persönlichen Entscheidungsgründe ableiten. Veränderungen betreffen vor allem die Struktur, etwa den Zeitpunkt der Abbrüche und die gewählte Methode, nicht primär die Gesamtzahl. Schwangerschaftsabbrüche erfolgen in einer persönlichen Konfliktsituation und erfordern eine qualifizierte frauenärztliche Begleitung sowie eine verlässliche Beratung.
Auf Presseanfrage der dpa vom 28.04.2026 ordnete der BVF den Anstieg der medikamentösen Abbrüche wie folgt ein:
Der Trend selbst ist nicht überraschend, weil er seit Jahren zu beobachten ist. Bemerkenswert ist aber die Dynamik. Ein Anstieg von 19 auf 45 % innerhalb von zehn Jahren ist eine deutliche und versorgungspolitisch relevante Veränderung in der medizinischen Praxis. Diese Entwicklung zeigt auch: Schwangerschaftsabbrüche gehören zur realen Versorgung in der Frauenheilkunde. Deshalb braucht es fundierte fachärztliche Fortbildung, klare medizinische Standards und rechtssichere Rahmenbedingungen. Frauenärztinnen und Frauenärzte sind hier zentrale Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, weil sie die medizinische Einordnung, die Aufklärung, die Durchführung beziehungsweise Begleitung und die Nachsorge fachlich qualifiziert leisten können. Der BVF hat die G-BA-Neuregelung aus dem Jahr 2025 begrüßt, weil sie sachgerechter zwischen medikamentösen und operativen Schwangerschaftsabbrüchen unterscheidet. Diese Neuregelung erklärt die aktuellen Zahlen noch nicht, sie dürfte aber dazu beitragen, dass medikamentöse Abbrüche in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.
Wichtig ist aus Sicht des BVF: Frauen müssen sich in einer ohnehin belastenden Situation darauf verlassen können, medizinisch sicher, sachlich informiert und ohne Stigmatisierung versorgt zu werden. Der deutliche Anstieg medikamentöser Abbrüche macht außerdem deutlich, wie wichtig ärztliche Fortbildung ist. Der BVF bietet hierzu regelmäßig Fortbildungen an, die über aktuelle medizinische Standards informieren.
Quellen und weitere Informationen
- Statistisches Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/04/PD26_147_233.html
- Süddeutsche Zeitung, dpa-Meldung mit BVF-Zitat: https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/statistik-erstmals-mehr-abtreibungen-mit-medikamenten-als-mit-op-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-260428-930-2410
