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Auch Pseudo-Diagnostik gehört nicht zwischen Babywindeln und Nagellack

Berlin, 28. August 2025 – Der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) kritisiert die Ausweitung angeblich diagnostischer Angebote in Drogeriemärkten scharf. Patientinnen und Patienten wird dort eine medizinische Untersuchung suggeriert und sie damit in die Irre geführt.

Bild/Logo: © Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa)

„Medizinische Diagnostik ist kein Konsumprodukt zwischen Babywindeln und Nagellack,“ warnt Dr. Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa. „Sie erfordert ärztliche Kompetenz, Verantwortung und eine Einordnung in den individuellen Gesundheitskontext. Wer in Drogerien für 14,95 Euro einen Augenscan oder ähnliche Leistungen anbietet, verkauft trügerische Sicherheit mit potenziell gefährlichen Folgen für die Patientinnen und Patienten und löst nicht notwendige Kosten im Gesundheitswesen aus.“

Künftig sollen in Drogeriemärkten nebst Blutentnahmen und Hautuntersuchungen auch Augenscreenings von nichtärztlichem Personal in Kooperation mit Drittanbietern durchgeführt werden. Die angebotenen Tests setzen auf KI-gestützte Auswertungen, deren Verfahren und Standards weder einheitlich geregelt noch fachärztlich überprüfbar sind. Dies birgt die Gefahr von falsch-positiven Ergebnissen, die Patientinnen und Patienten verunsichern und in Folge unnötig Arztpraxen belasten, sowie von falsch-negativen Ergebnissen, die eine rechtzeitige Behandlung verzögern. „Am Ende werden Kosten ausgelöst, die weder das System entlasten, noch die Versorgung verbessern – sondern schlicht zusätzlichen Schaden anrichten“, so Heinrich weiter.

Das Versprechen der Drogerieketten, mit solchen Angeboten das Gesundheitssystem zu entlasten, sei irreführend, denn letztlich müssten auffällige Befunde immer fachärztlich überprüft werden. Im Übrigen scheinen all diese Angebote vorwiegend Marketinginstrumente zu sein, um anschließend unnötige Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen.

Der SpiFa fordert daher eine klare gesetzliche Regulierung: Medizinische Diagnostik und Vorsorgeuntersuchungen müssen in ärztlicher Verantwortung bleiben, kommerzielle Drittanbieter ohne medizinische Zulassung dürfen keine Gesundheitsleistungen anbieten.

„Drogeriemärkte sind keine Arztpraxen. Diagnostik gehört in ärztliche Hände – und zwar ausschließlich dort. Die Sicherheit von Patientinnen und Patienten darf nicht für schnelle Geschäfte aufs Spiel gesetzt werden, hier muss die Politik einschreiten,“ so Heinrich.

Quelle:

Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa)