Jugendsexualität 2025: Erstes Mal später – Verhütung beim Start meist sicher

Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland werden später sexuell aktiv als noch 2019. Das zeigt die aktuelle, repräsentative Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): Während bei der Vorgängererhebung 2019 junge Menschen bereits mit 17 Jahren mehrheitlich sexuell aktiv waren, erleben sie ihr „erstes Mal“ heute meist erst mit 19 Jahren. Auch der erste Kuss findet später statt. Gleichzeitig berichtet die große Mehrheit von einem geplanten ersten Geschlechtsverkehr, überwiegend in einer festen Beziehung – und von einem hohen Maß an Verhütungssicherheit.

Aus frauenärztlicher Perspektive bestätigen die Ergebnisse, dass Sexualaufklärung und Beratung wirken – und dass die gynäkologische Versorgung weiterhin ein zentraler, vertrauenswürdiger Anker für evidenzbasierte Kontrazeptions- und STI-Prävention bleibt, insbesondere für junge Mädchen und Frauen.

Zentrale Ergebnisse der aktuellen Studie:

  • Der erste Sex findet geplant und in Partnerschaft statt: Beim ersten Sex ist die Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit dem Partner bzw. der Partnerin in einer festen Beziehung (weiblich: 65 %, männlich: 53 %) oder gut bekannt (weiblich: 25 %, männlich: 31 %). Der erste Sex findet für die Befragten mehrheitlich „gerade zum richtigen Zeitpunkt“ statt (2025: 65 %, 2019: 65 %).
     
  • Der erste Sex verschiebt sich weiter nach hinten: Aktuell haben 18 % der 14-17-Jährigen ihren ersten Sex erlebt, im Gegensatz zu 28 % in 2019. Insbesondere bei Jugendlichen im Alter von 17 bis 20 ist ein deutlicher Rückgang des Anteils derjenigen zu verzeichnen, die Erfahrungen mit Sex gemacht haben. So haben 2019 insgesamt 61 % der 17-Jährigen Sex gehabt, 2025 sind es 40 %.
     
  • Auch das Küssen erfolgt später: 2019 gaben noch 53 % der 14-Jährigen an, Erfahrungen mit Küssen gemacht zu haben; 2025 ist dieser Anteil deutlich auf 33 % gesunken. Unter den 15-Jährigen hat rund die Hälfte (51 %) den ersten Kuss erlebt (2019: 70 %). Mit zunehmendem Alter verringern sich die Abweichungen zu 2019, dennoch liegen die aktuellen Werte in sämtlichen Altersjahren zwischen zwei und 20 Prozentpunkten unter den Vergleichswerten von 2019.
     
  • „Der Richtige“ bzw. „die Richtige“ fehlt: Unter den Jugendlichen, die noch keine sexuellen Kontakte hatten, gibt die Hälfte an, dass bislang die passende Partnerin bzw. der passende Partner gefehlt habe (51 %). 37 % halten sich für „zu schüchtern“ und 41 % für „zu jung“.
     
  • Sicheres und zuverlässiges Verhütungsverhalten: Aktuell geben lediglich 6 % der Jugendlichen und jungen Erwachsenen an, beim ersten Sex nicht verhütet zu haben (4 % der weiblichen Befragten, 8 % der männlichen Befragten).
     
  • Bedeutung von Pille und Kondom: Beim ersten Sex greifen Jugendliche (76 %) überwiegend zum Kondom (2019: 77 %). Die Pille wird deutlich seltener verwendet (2025: 34 %, 2019: 30 %). Mit zunehmender sexueller Erfahrung gewinnt aber die Pille an Bedeutung: 50 % der mehrfach sexuell erfahrenen Jugendlichen (2019: 53 %) und 48 % der jungen Erwachsenen (2019: 59 %) verwenden sie aktuell. Die Spirale nutzen aktuell 6 % der Befragten.
     
  • Schulunterricht ist nach wie vor die wichtigste Quelle der Sexualaufklärung für Jugendliche: 78 % der Jugendlichen geben an, in der Schule Wissen über Sexualität und Verhütung erhalten zu haben (2019: 69 %). Als Ansprechpersonen gewinnen Lehrkräfte (2025: 45 %, 2019: 36 %) sowie Eltern (2025: 64 %, 2019: 56 %) weiter an Bedeutung, anders als Gleichaltrige (2025: 54 %, 2019: 65 %).
     
  • Internet hat in der Sexualaufklärung leicht an Bedeutung verloren: 53 % der Jugendlichen nutzen das Internet als Informationsquelle bei Fragen rund um Verhütung und Sexualität (2019: 59 %), wobei Suchmaschinen am häufigsten zum Einsatz kommen (66 %). Aufklärungs- und Beratungsseiten spielen besonders für Mädchen eine Rolle (39 %, Jungen: 25 %). Bei Sozialen Medien nennen 40 % YouTube, 24 % TikTok und 23 % Instagram. Junge Menschen bewerten Aufklärungs- und Beratungsseiten (85 %) als besonders vertrauenswürdig. Weniger Vertrauen besteht gegenüber KI-generierten Inhalten (48 %) sowie Sozialen Medien (YouTube: 41 %, Instagram: 27 %, TikTok: 20 %).

Die Daten deuten auf bewussteres Timing und verantwortungsvollere Entscheidungen hin – zugleich bleibt Präventionsarbeit in der Praxis essenziell, ein weiterer Grund an Versorgungsmodellen wie etwa der M1 Mädchensprechstunde festzuhalten und weiter auszubauen, insbesondere auch um die Quote der HPV-Impfung weiter zu erhöhen. Der Stellenwert evidenzbasierter Sexualaufklärung und qualifizierter gynäkologischer Beratung ist weiterhin hoch.

Quellen und weiterführende Informationen

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