Aus frauenärztlicher Perspektive bestätigen die Ergebnisse, dass Sexualaufklärung und Beratung wirken – und dass die gynäkologische Versorgung weiterhin ein zentraler, vertrauenswürdiger Anker für evidenzbasierte Kontrazeptions- und STI-Prävention bleibt, insbesondere für junge Mädchen und Frauen.
Zentrale Ergebnisse der aktuellen Studie:
- Der erste Sex findet geplant und in Partnerschaft statt: Beim ersten Sex ist die Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit dem Partner bzw. der Partnerin in einer festen Beziehung (weiblich: 65 %, männlich: 53 %) oder gut bekannt (weiblich: 25 %, männlich: 31 %). Der erste Sex findet für die Befragten mehrheitlich „gerade zum richtigen Zeitpunkt“ statt (2025: 65 %, 2019: 65 %).
- Der erste Sex verschiebt sich weiter nach hinten: Aktuell haben 18 % der 14-17-Jährigen ihren ersten Sex erlebt, im Gegensatz zu 28 % in 2019. Insbesondere bei Jugendlichen im Alter von 17 bis 20 ist ein deutlicher Rückgang des Anteils derjenigen zu verzeichnen, die Erfahrungen mit Sex gemacht haben. So haben 2019 insgesamt 61 % der 17-Jährigen Sex gehabt, 2025 sind es 40 %.
- Auch das Küssen erfolgt später: 2019 gaben noch 53 % der 14-Jährigen an, Erfahrungen mit Küssen gemacht zu haben; 2025 ist dieser Anteil deutlich auf 33 % gesunken. Unter den 15-Jährigen hat rund die Hälfte (51 %) den ersten Kuss erlebt (2019: 70 %). Mit zunehmendem Alter verringern sich die Abweichungen zu 2019, dennoch liegen die aktuellen Werte in sämtlichen Altersjahren zwischen zwei und 20 Prozentpunkten unter den Vergleichswerten von 2019.
- „Der Richtige“ bzw. „die Richtige“ fehlt: Unter den Jugendlichen, die noch keine sexuellen Kontakte hatten, gibt die Hälfte an, dass bislang die passende Partnerin bzw. der passende Partner gefehlt habe (51 %). 37 % halten sich für „zu schüchtern“ und 41 % für „zu jung“.
- Sicheres und zuverlässiges Verhütungsverhalten: Aktuell geben lediglich 6 % der Jugendlichen und jungen Erwachsenen an, beim ersten Sex nicht verhütet zu haben (4 % der weiblichen Befragten, 8 % der männlichen Befragten).
- Bedeutung von Pille und Kondom: Beim ersten Sex greifen Jugendliche (76 %) überwiegend zum Kondom (2019: 77 %). Die Pille wird deutlich seltener verwendet (2025: 34 %, 2019: 30 %). Mit zunehmender sexueller Erfahrung gewinnt aber die Pille an Bedeutung: 50 % der mehrfach sexuell erfahrenen Jugendlichen (2019: 53 %) und 48 % der jungen Erwachsenen (2019: 59 %) verwenden sie aktuell. Die Spirale nutzen aktuell 6 % der Befragten.
- Schulunterricht ist nach wie vor die wichtigste Quelle der Sexualaufklärung für Jugendliche: 78 % der Jugendlichen geben an, in der Schule Wissen über Sexualität und Verhütung erhalten zu haben (2019: 69 %). Als Ansprechpersonen gewinnen Lehrkräfte (2025: 45 %, 2019: 36 %) sowie Eltern (2025: 64 %, 2019: 56 %) weiter an Bedeutung, anders als Gleichaltrige (2025: 54 %, 2019: 65 %).
- Internet hat in der Sexualaufklärung leicht an Bedeutung verloren: 53 % der Jugendlichen nutzen das Internet als Informationsquelle bei Fragen rund um Verhütung und Sexualität (2019: 59 %), wobei Suchmaschinen am häufigsten zum Einsatz kommen (66 %). Aufklärungs- und Beratungsseiten spielen besonders für Mädchen eine Rolle (39 %, Jungen: 25 %). Bei Sozialen Medien nennen 40 % YouTube, 24 % TikTok und 23 % Instagram. Junge Menschen bewerten Aufklärungs- und Beratungsseiten (85 %) als besonders vertrauenswürdig. Weniger Vertrauen besteht gegenüber KI-generierten Inhalten (48 %) sowie Sozialen Medien (YouTube: 41 %, Instagram: 27 %, TikTok: 20 %).
Die Daten deuten auf bewussteres Timing und verantwortungsvollere Entscheidungen hin – zugleich bleibt Präventionsarbeit in der Praxis essenziell, ein weiterer Grund an Versorgungsmodellen wie etwa der M1 Mädchensprechstunde festzuhalten und weiter auszubauen, insbesondere auch um die Quote der HPV-Impfung weiter zu erhöhen. Der Stellenwert evidenzbasierter Sexualaufklärung und qualifizierter gynäkologischer Beratung ist weiterhin hoch.
Quellen und weiterführende Informationen
- BIÖG-Pressemitteilung (22.01.2026): https://www.bioeg.de/presse/pressemitteilungen/2026-01-22-erste-sexuelle-erfahrungen-jugendliche-warten-laenger-und-verhueten-sicher/
- Presse-Kit (Grafiken, Passwort siehe BIÖG-PM): https://transfer.bzga.de/index.php/s/Qo3JYwQPyTWDW7o
- BIÖG-Infoseiten: https://www.loveline.de | https://www.sexualaufklaerung.de | https://shop.bioeg.de
- BVF-Beitrag zum Verhütungsverhalten 2024: https://www.bvf.de/aktuelles-presse/artikel/neue-bioeg-zahlen-zum-verhuetungsverhalten-2024-ergebnisse-fuer-16-25-und-18-49-jahre-im-ueberblick/
