HPV-Infektionen sind zentral an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt; zudem sind weitere Malignome (u. a. im Anogenitalbereich und im Mund-Rachen-Raum) HPV-assoziiert. Prävention durch Impfung ist damit ein Schlüsselinstrument, das gynäkologische Beratung und onkologische Vorsorge sinnvoll ergänzt.
Gleichzeitig bleibt die Inanspruchnahme in Deutschland aus Sicht der NaLI unzureichend: Für 15-Jährige werden Impfquoten (vollständig geimpft) von 55 % bei Mädchen und 36 % bei Jungen genannt.
Kernelemente des NaLI-Konzepts: vier Handlungsfelder
Das Konzept bündelt bewährte Maßnahmen und formuliert Empfehlungen in vier Feldern:
- Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung stärken
Zielgruppengerechte Aufklärung (z. B. Schulen, digitale Kanäle, mehrsprachige Materialien), damit informierte Entscheidungen für die HPV-Impfung leichter fallen. - Impfkompetenz von Akteuren fördern
Fortbildungen und aktuelle Materialien für Ärztinnen/Ärzte, MFA und Multiplikatoren – inklusive praxisnaher, empathischer Impfkommunikation. - Impffreundliche Infrastruktur ausbauen
Niedrigschwellige Angebote, strukturiertes Einladungswesen, digitale Erinnerungen und optimiertes Impfmanagement, um Zugangsbarrieren zu reduzieren und Impflücken zu schließen. - Monitoring und Surveillance weiterentwickeln
Bessere Daten zur Identifikation von Impflücken und zur kontinuierlichen Beobachtung von Wirksamkeit und Sicherheit – als Grundlage für Qualität und Vertrauen.
„Nationales HPV-Impfjahr 2028“: koordinierte Aktionen geplant
Für eine größere Reichweite der Empfehlungen hat die NaLI die Durchführung eines nationalen HPV-Impfjahres 2028 beschlossen. Geplant sind bundesweite Aufklärungs- und Impfaktionen unter Koordination der NaLI – unter Einbindung vieler medizinischer, gesundheitspolitischer und gesellschaftlicher Akteure.
Was bedeutet das konkret für die Praxis?
Für Frauenärztinnen und Frauenärzte eröffnet das Konzept Rückenwind für eine noch konsequentere Impfprävention – insbesondere in der Betreuung von Mädchen und jungen Frauen sowie in der Beratung von Familien:
- HPV-Impfstatus systematisch prüfen: Impfpass-/Impfstatus-Check als fester Bestandteil in altersentsprechenden Kontakten (z. B. bei Beratungen im Rahmen der M1 – Mädchensprechstunde, Kontrazeptionsstart, Vorsorgeterminen).
- Zeitgerechte Impfserie unterstützen: STIKO empfiehlt die HPV-Impfung für alle Kinder von 9 bis 14 Jahre, Nachholimpfungen bis einschließlich 17 Jahre.
- Recall nutzen: Terminierung der Folgeimpfung direkt bei Dosis 1; digitale Erinnerungen/Recall-Prozesse (PVS, SMS, E-Mail, App-gestützt – je nach Praxisstruktur).
- Kurz, klar, evidenzbasiert kommunizieren: Nutzen der Impfung als Krebsprävention verständlich darstellen; typische Patientinnen- bzw. Elternfragen proaktiv adressieren.
- Kooperationen vor Ort stärken: Abstimmung mit Pädiatrie/Hausärzten, ggf. schulnahen Akteuren, um Übergänge und Zuständigkeiten pragmatisch zu lösen.
Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. begrüßt Initiativen, die die HPV-Impfquoten nachhaltig erhöhen und organisatorische Hürden abbauen. Gerade die Kombination aus Aufklärung, praxistauglicher Infrastruktur (Einladungswesen/Recall) und belastbarer Datengrundlage ist aus frauenärztlicher Sicht entscheidend, damit HPV-Impfung dort ankommt, wo sie am meisten wirkt: vor Exposition und möglichst vollständig bis spätestens zum Jugendalter.
Weiterführende Informationen
- NaLI-Website: Schwerpunkt „Humane Papillomviren (HPV)“ (inkl. Konzept und Verweisen)
- RKI: FAQ zur HPV-Impfung / STIKO-Empfehlung
- Informationen zur 9. Nationale Impfkonferenz: 28.–29. April 2026, Köln (Schwerpunkt Impfkommunikation)
