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SpiFa: Medizinische Diagnostik ist kein Konsumgut

Der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) kritisiert die Ausweitung sogenannter Gesundheitsleistungen in Drogeriemärkten. Unter dem Deckmantel medizinischer Vorsorge sieht der SpiFa damit vor allem kommerzielle Interessen verfolgt und warnt vor einer Irreführung von Patientinnen und Patienten.

Bild/Logo: © Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa)

Drogeriemärkte bieten ihren Kundinnen und Kunden zunehmend sogenannte Gesundheitstests an, häufig in Kooperation mit externen Dienstleistern. Das Spektrum reicht von Augenscreenings über Hautanalysen bis hin zu Bluttests. Die Durchführung erfolgt dabei oft ohne ärztliche Beteiligung und teilweise durch lediglich kurz geschultes, nicht-ärztliches Personal. Eine individuelle Risikoabwägung, eine medizinische Anamnese oder eine therapeutische Einordnung der Ergebnisse finden nicht statt. Stattdessen werden Testergebnisse isoliert vermittelt oder mit allgemeinen Kaufempfehlungen verknüpft.

Der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) kritisiert die zunehmende Ausweitung und Bewerbung dieser Angebote scharf. Was als Gesundheitsvorsorge vermarktet wird, folgt aus Sicht des SpiFa in erster Linie einer Verkaufslogik. 

Dazu der Vorstandsvorsitzende des SpiFa, Dr. Dirk Heinrich: 

Gesundheit lässt sich nicht per Schnelltest im Einzelhandel beurteilen. Diagnostik braucht ärztliche Expertise, Verantwortung und eine Einordnung in den individuellen Gesundheitszustand. Was in Drogerien als Test verkauft wird, erfüllt diese Anforderungen nicht und kann Patientinnen und Patienten in falscher Sicherheit wiegen oder unnötig verunsichern.

Mitgliedsverbände des SpiFa mit besonderer Fachexpertise in den betroffenen Fächern äußern große Bedenken.

Der Bundesverband der Deutschen Dermatologen e.V. (BVDD) verweist auf KI-gestützte Hautanalysen und teledermatologische Leistungen, bei denen Kundinnen und Kunden in bislang wenigen Drogeriemärkten und über jedes Smartphone eine Auswertung ihres Hautzustandes oder eine rein digitale Einschätzung von Hautveränderungen, häufig verknüpft mit Pflegeempfehlungen, Produktbezug oder der Option einer digitalen Therapieempfehlung erhalten.

Der Präsident des BVDD, Dr. Ralph von Kiedrowski, gibt zu bedenken:

Diese Angebote sind keine medizinische Diagnostik. Sie dienen in erster Linie Verkaufsinteressen und vermitteln falsche Sicherheit. Besonders problematisch sind diese Angebote bei potenziell ernsten Hauterkrankungen, da nicht sichergestellt ist, dass Patientinnen und Patienten bei auffälligen Befunden zeitnah fachärztlich weiterbehandelt werden. Eine seriöse Versorgung ist so nicht gesichert.

Auch augenärztliche Screening-Angebote im Einzelhandel werden kritisch bewertet. Sehtests und Netzhautfotografien werden ohne vorherige augenärztliche Untersuchung durchgeführt, die Auswertung erfolgt ausgelagert und für Patientinnen und Patienten in Ablauf und Qualität nur eingeschränkt nachvollziehbar.

Die Angebote locken mit vermeintlicher Qualitätssicherung. Doch Angaben wie „KI-gestützt“ oder „ärztlich validiert“ sind inhaltlich nicht ausreichend definiert. Der Einsatz von KI ist zudem nicht standardisiert. Es gibt daher keine einheitlichen Vorgaben, die einen fachärztlichen Standard garantieren. Wie die Auswertung der Aufnahmen also verläuft, auf welche Metadaten die KI zurückgreift und so die Auswertung prägen, ist daher nicht transparent geklärt. Augenärztinnen und Augenärzte vor Ort betrachten immer den gesamten Menschen, berücksichtigen Vor- und Begleiterkrankungen und gehen auf ihre Patientinnen und Patienten individuell ein. Das kann das Screening im Drogeriemarkt nach unserer Auffassung kaum leisten.

So der 1. Vorsitzende des Berufsverbandes der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands e. V. (BVA), Daniel Pleger.

Der SpiFa weist die Behauptung der Anbieter, derartige Testangebote könnten einen Beitrag zur Entlastung des Gesundheitssystems leisten, zudem als kurzsichtig zurück.

Tatsächlich führen sie häufig vielmehr zu zusätzlichen Abklärungen in den Praxen oder verspäteten Diagnosen. Zudem stehen die Angebote vielfach in einem kommerziellen Kontext, der medizinische Notwendigkeit und kommerzielle Interessen vermischt,

gibt Dr. Dirk Heinrich zu bedenken und betont:

Medizinische Diagnostik ist kein Konsumgut. Sie gehört in ärztliche Verantwortung. Wenn medizinisch anmutende Tests außerhalb klarer fachlicher Standards angeboten werden, braucht es eine eindeutige Regulierung zum Schutz der Patientinnen und Patienten.

Quelle:
Pressemeldung des SpiFA

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