Konfetti, Küsse, Karneval – doch Sicherheit gilt überall. Wer gut feiern will, sollte auch gut vorbereitet sein: mit Schutz, informierten Entscheidungen und klaren Grenzen,
sagt Bernd Bankamp, BVF-Landesvorsitzender Nordrhein.
Schutz, Pannen, Übelkeit: das Wichtigste in Kürze
Kondome reduzieren das Risiko vieler sexuell übertragbarer Krankheiten (STI) und einer ungewollten Schwangerschaft. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Manche STI verlaufen zunächst symptomlos. Bei einem gerissenen oder abgerutschten Kondom am besten den Zeitpunkt notieren und zeitnah beraten lassen: sowohl zu einer Notfallverhütung als auch zur STI-Abklärung. Erbrechen nach Einnahme oraler Kontrazeptiva oder der Notfallverhütung „Pille danach“ kann die Wirkung beeinträchtigen. Hier sollte schnell frauenärztlich abgeklärt werden, ob eventuell eine erneute Einnahme notwendig ist.
Hier hören der Spaß und Klamauk auf: Sexualisierte Gewalt
Karneval ist Nähe, Lärm, Tempo, aber Grenzen sind nicht verhandelbar. Unterwegs in einer Gruppe ist sicherer als allein – denn hier achtet idealerweise jeder auf den anderen. Ein „Nein“ gilt immer und auch Schweigen ist kein „Ja“. Bei sexualisierter Gewalt oder auch Verdacht auf KO-Tropfen können sich Betroffene sofort Hilfe holen und müssen nicht allein bleiben. In akuter Gefahr die 110 oder die 112 wählen, die medizinische Versorgung vor Ort nutzen. In vielen Regionen ist eine vertrauliche bzw. anonyme Spurensicherung möglich, ohne eine direkte Anzeige. Das kann Zeit geben, um in Ruhe zu entscheiden. Vertrauliche Beratung ist dabei jederzeit auch telefonisch verfügbar, etwa über das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der 116 016.
Kurzinformationen und Handlungsratschläge
Was tun, wenn…?
…das Kondom gerissen/abgerutscht ist?
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Zeitpunkt notieren: das hilft bei der Einordnung der Notfallverhütung.
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Im Zweifel immer zur Notfallverhütung beraten lassen und Notwendigkeit abklären lassen.
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Auch zu STI beraten lassen, wann, welche Tests sinnvoll sind, denn viele STI machen anfangs keine Beschwerden.
…ich weiß, dass ich die „Pille danach“ brauche?
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So früh wie möglich handeln.
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Präparate mit Levonorgestrel können bis 72 Stunden nach dem Sex eingenommen werden; mit Ulipristalacetat bis 120 Stunden später. Entscheidend ist der Zeitpunkt des Eisprungs, ob und welche Einnahme sinnvoll ist.
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Als Alternative bzw. Option bietet sich auch die Kupferspirale („Spirale danach“) an, die bis zum fünften Tag nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr frauenärztlich eingesetzt werden kann und gleichzeitig eine längerfristige Verhütungsoption darstellt.
…ich Angst vor STI habe, aber nichts merke?
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Nicht abwarten, bis Beschwerden auftreten, denn viele STI bleiben zunächst symptomlos.
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In der frauenärztlichen Praxis abklären lassen: Risiken, Testzeitpunkte und ggf. die Therapieoptionen.
…Alkohol im Spiel war und ich mich übergeben musste?
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Bei Erbrechen nach Einnahme oraler Kontrazeptiva oder der „Pille danach“ sollte schnell eine weitere frauenärztliche Beratung eingeholt und eventuell eine Neueinnahme erfolgen.
…Alkohol im Spiel war und ich mich unsicher fühle oder große Erinnerungslücken habe?
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Grundsätzlich muss die Zustimmung zu sexuellen Handlungen freiwillig und klar sein.
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Bei großen Erinnerungslücken, starker Benommenheit oder ungewöhnlichen Beschwerden: Hilfe holen, Bedenken äußern, nicht allein bleiben und medizinisch abklären lassen. Bei akuter Gefahr die Polizei oder den Notruf verständigen. Hilfeangebote, wie die 116016 (Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“) in Anspruch nehmen, um rund um die Uhr eine vertrauensvolle und anonyme Beratung zu erhalten.
Wer ausgelassen feiern möchte, darf sich gleichzeitig gut schützen. Das ist kein Widerspruch, sondern verantwortungsvolle Selbstfürsorge. Kondome, Wissen über Notfallverhütung und ein wacher Blick für STI tragen dazu bei, selbst Risiken zu reduzieren. Und ebenso wichtig: Grenzen sind unantastbar – im Karneval wie an jedem anderen Tag. Frauenärztinnen und Frauenärzte sind Ansprechpersonen für vertrauliche Beratung, medizinische Abklärung und Unterstützung nach Verhütungspannen oder belastenden Erlebnissen.
Feiern Sie fröhlich und achten Sie auf sich und andere.
